Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові

Lilien schnein

Die Winterwolken tropften,
Auf Grabern lag der Schnee.
Zween heibe Herzen klopften,
Ihr Scheiden tat so weh.

“Und wirst du mir genommen,
Du bittersuber Knabe,
Einst sollst du wiederkommen,
Dab ich dich ewig habe.”

Der Knabe hub die Augen,
Vielherbe zuckt sein Mund:
“Du hoffest noch, wir taugen
Zu einem Erdenbund?

Mag sein, es wird gefreiet,
Herzallerliebste mein,
Wenn’s weibe Lilien schneiet,
Und regnet Hochzeitswein.”

Er schied. Und nur im Traume
Kam Trost fur ihre Pein:
Sie sah beim Graberbaume
Wein regnen, Lilien schnein.

Und wie sie dann erwachte,
So war es lauter Nichts.
Da weinte sie und lachte
Ob ihres Wahngesichts:

“Labt mich zum Grabergarten,
Zum kuhlen Erdverlieb,
Das Wunder zu erwarten,
So doch mein Schatz verhieb.

Sprach er denn nicht: gefreiet
Wird, Allerliebste mein,
Wenn’s weibe Lilien schneiet,
Und regnet Hochzeitswein?

Ein Dach soll mich bedecken,
Wenn endlich Lilien schnein,
Ein Hugel mich verstecken,
Wenn’s regnet Hochzeitswein.”

Bald raunten dumpfe Glocken:
“Willkommen unterm Dach,
Tu Myrten um die Locken
Und ruh im Brautgemach!”

Nach Jahren kommt gegangen
Der Knabe durch das Gras,
Erblichen seine Wangen,
Die Augen kummernab.

Da hat sein Fub geholpert,
Und ubers Totenhaus
Ist er dahingestolpert,
Der Odem ging ihm aus.

Nun horch, es lacht im Grabe:
“Erfullt soll also sein,
Dein Spruch, getreuer Knabe:
Wein regnet, Lilien schnein!

Der Schnee sind deine Wangen,
Dein Augentau ist Wein.
Nun halten sich umfangen
Auf ewig Mein und Dein.”


Lilien schnein - BRUNO WILLE