Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Tagelied

Du willst dich freventlich emanzipieren
Und aufstehn wider mich mit keckem Sinn,
Ein rotes Mutzlein und die Zugel fuhren,
Du schone, kleine Jakobinerin?

Zur Politik nun auch dein Wortlein sagen,
Die Spindel meidend in den Ratsaal fliehn?
Wohl gar mit weisser Hand die Trommel schlagen,
Wann einst wir gegen die Tyrannen ziehn?

Berufest dich auf meine eignen Lehren
Von Freiheit, Gleichheit und von Menschenrecht?
O lass, mein Kind, mit Kussen dich bekehren,
Dies eine Mal errietest du mich schlecht!

Die Ketten all’, von denen ich entbinden
Die Volker mochte, o Geliebte mein!
Als Blumenketten eng dir umzuwinden
Wird einzig nur mein Tun und Trachten sein.

Ich will dir einen festen Turm erbauen
Und drin ein Kammerlein von Seide weich;
Da sollst du nur des Himmels Sterne schauen
Und mich, den Kerkermeister froh und reich!

Nie lass’ ich dich dein langes Haar beschneiden,
Damit dein Denken um so kurzer sei;
So rach’ ich an dem Weibe Simsons Leiden
Und bleibe ungeschoren, stark und frei!

Solang die lieben Nachtigallen schlagen,
Leb’ ich in dir ein Stuck Unendlichkeit;
Doch flieht die Nacht und will’s auf Erden tagen,
Eil’ ich fur dich und mich zum Kampf der Zeit.

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Tagelied - GOTTFRIED KELLER