Українська та зарубіжна поезія

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Blumen des Gartens

Liebster, wilst du meiner warten,
Bis die Sonne bricht herfur,
Und mich fuhren in den Garten
Durch der Andacht schone Thur,
Zarter Blumen Lieblichkeit
In der suben Fruhlingszeit
Mit Verwundern zu besehen,
Ei, so kom und lab uns gehen!

Jesu, sol ich deinen Augen
Einmal recht gefallig sein,
Sol mein Schmuck nur etwas taugen,
Sol ich prangen hell und rein
Dir zur Ehr und mir zum Ruhm:
Ei, so must du manche Blum’
An den klaren Tugendbachen,
Mich zu zieren, freundlich brechen.

Ja, du fuhrst mich bei den Handen
Zu dem bunten Blumenheer;
Ach, wohin sol ich mich wenden,
Finden, was ich langst begehr?
Haben dort nicht ihre Stell’
Edle Rosen, die so hell
Und gar rot von Farben bluhen,
Dab sie Purpur vorzuziehen?

Aber das so scharfe Stechen
Ihrer Zweiglein thut mir weh;
Herr, du wollst es ja nicht rachen,
Wenn ich leider nochmals geh’
In der schnoden Wollust Bahn,
Wie ich manchen Tag gethan,
So dab ich in Schand und Noten
Wie die Rose mub erroten.

Lieblich zwar sind diese Rosen,
Dauern doch nur kurze Zeit;
Solt’ ich selber mich liebkosen
Wie ein Kind der Eitelkeit?
Nein, die Wollust fliegt dahin;
Auch des Lebens Rauberin,
Unsre Zeit, mub schnell vergehen,
Wie die Rosen nicht bestehen.

Liebster, fuhre mich nur weiter
Auf das klare Lilienfeld,
Brich mir eine, mein Begleiter!
Bin ich dir doch zugesellt.
Ach, dab solch ein edle Blum’
Ich in deinem Heiligtum
Mocht’ in rechter Unschuld heiben
Und von wahrer Tugend gleiben.

Aller Menschen Schmuck und Prangen
Ist doch lauter Trugerei;
Auch kein Kaiser kan’s erlangen,
Dab er gleich den Lilien sei.
Wil ich helle Kleider sehn,
Darf ich nur zum Garten gehn,
Wo die Blumen auch erzahlen,
Dab uns Christen nichts kan fehlen.

Ei, wie bluhen die Narcissen
Und Violen mancher Art!
Gleichwol labt mein Freund mich wissen,
Dab die Zeit sie nimmer spart.
Was ist unser Leben doch!
Wenn man ist bemuhet noch,
Viel zu lernen, viel zu schaffen,
Pflegt der Tod uns hinzuraffen.

Meine Zeit ist fast vergangen:
Fuhre mich, mein Jesu, hin,
Wo sich stillet mein Verlangen
Und ich selbst dein Blumlein bin,
In das schonste Paradeis,
Wo man nichts zu sagen weib
Als von Jauchzen, Triumphieren,
Mit den Deinen zu regieren.

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Blumen des Gartens - JOHANN RIST