Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Das Lied vom Hemdchen

Die Sonne stand wohl auf
Des Morgens um halber vier.
Sie zog ihr Hemdlein aus
Und hangt es an die Tur.

Herfur trat sie an Strom
Und bad’t sich ganz darein,
Am ganzen Leibe schon
Wie eine Perle fein.

Alsdann ging sie von danne
Wohl uber Berg und Tal,
Bis dab sie endlich kame
An einen hellgrunen Wald.

Im Wald da flob ein Bachelein,
Das hat gesehen
Ein weib und rot schon Jungfraulein
Ganz ohne Rocklein stehen.

Da kam ein junger Knab,
Der sprach: “Ei wohl furwahr,
Du tust dein Hemdlein ab
Beim hellen lichten Tag.”

“Mein Hemdlein kann ich lassen,
Ich war ja ganz allein.
Wenn du willst mit mir spaben,
Nehm ich mein Hemdelein.”

“Dein Leben will ich dir nehmen”,
So sprach der junge Knab,
“Du sollst mir nimmer buhlen
Wohl mit dem jungen Tag.

Ich halt dich mit den Handen,
Druck tot dein Herzelein,
Dab du magst nimmer wenden
Die Augen zum klaren Schein.”

Als dies die Sonne tat schauen,
Da eilt sie schnell davon
Wohl uber Berg und Taler,
Bis sie nach Hause kam.

Sie hangt ihr Hemdelein ab,
Sie hangt ihr Hemdelein um,
Dab wenn mein junger Buhler kommt,
Mich nimmer bringet um.

Nun liegt die Sach ganz klar am Tag,
Die Welt ist Nebels voll,
Kein Kraut, kein Wein geraten mag,
Die Jungfern wissen’s wohl.


Das Lied vom Hemdchen - BETTINA VON ARNIM