Українська та зарубіжна поезія

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Abendlied

Der Tag ist hin, der Sonnen Glanz
Hat nunmehr sich verloren ganz:
Itz bricht die finstre Nacht herfur
Und offnet uns die Sternenthur.
Auf, meine Seel’, und hab’ itz Acht,
Was du den ganzen Tag gemacht,
Dein Schopfer wil, du solst ihm nun
Von deinem Wandel Rechnung thun.
Ich komm’, o Vater, itz heran,
Wiewol ich nichts mich ruhmen kan;
Gesundigt hab’ ich diesen Tag
So, dab ich kaum erscheinen mag.
O grober Gott, die Dunkelheit
Versetzet mich in Traurigkeit,
Denn welch’ auf bosen Wegen gehn,
Die mussen stets im Dunklen stehn.
Wo sol ich hin? Die finstre Nacht
Hat, mich zu schutzen, keine Macht,
Das Unrecht labt sich bergen nicht
Fur dir, o Gott, du grobes Licht.
Nim wieder mich zu Gnaden an,
Dieweil ich nicht entfliehen kan;
Durch Jesum such’ ich Fried’ und Ruh’,
Es decke mich sein’ Unschuld zu.
Durch Jesum Christum lob’ ich dich,
Dab du mich hast so gnadiglich
Beschutzet diesen ganzen Tag
Fur mancher wolverdienten Plag’.
Ach, Herr, ich bin ja nimmer wert
Des Guten, so du mir beschert,
Und was du sonst in dieser Bahn
Des Lebens hast an mir gethan.
Gib mir in dieser Nacht doch Ruh’
Und decke mich mit Gnaden zu,
Dein Engel bleibe stets bei mir,
Auf dab mich ja kein Unfall ruhr’.
Es mussen Diebe, Wasser, Feur,
Gespenste, Schrecken, Ungeheur
Samt mancher Trubsal, Angst und Pein
Sehr fern, o Vater, von mir sein.
Herr, schutze mich in aller Not,
Lab einen bosen schnellen Tod
Auch diese Nacht mich treffen nicht,
Lab schauen mich des Tages Licht.
Verleih’, Herr, wenn die finstre Nacht
Verstrichen ist, und ich erwacht,
Dab ich zu fruher Morgenszeit,
O grober Gott, dein Lob ausbreit.
Hierauf nun geh ich hin zur Ruh’
Und schliebe Mund und Augen zu;
Mein Vater, lab dein Kind allein
In deinen Schutz befohlen sein!

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Abendlied - JOHANN RIST