Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові

Amor’s Nachtbesuch

Zur Zeit, wenn alle Menschen
Von ihrer Arbeit ruhn;
Wenn Patrioten traumen,
Was Konige nicht thun;

Wenn etwas nur ein Weiser
Bei seiner Lampe wacht,
In der Gespensterstunde,
Kurz, in der Mitternacht

Kam Amor, der die Schonen
Sonst immer nur besucht,
Vor meine Thur und klopfte;
Vielleicht auf einer Flucht!

“Wer schlagt mir meine Pforte”,
Rief ich, “entzwei, wer jagt
Von mir die suben Traume
So grausam, eh’ es tagt?”

Da hort’ ich drauben bitten:
“Mach’ auf! ich bin ein Kind,
Du darfst vor nichts dich furchten;
Mach’ auf, bitt’ ich, geschwind!

Der Mond hat nicht geschienen,
Ich habe mich verirrt,
Es ist so kalt, es regnet,
Erbarme dich, Herr Wirth!”

Schnell macht’ ich Licht, ich eilte, –
Mitleidig mub man seyn, –
Und offnete die Pforte,
Und lieb den Pilger ein!

Und sieh’, es war ein Knabe
Mit Flugeln, wunderschon;
Solch Antlitz, solche Augen
Hatt ich noch nie gesehn!

Komm’, Kleiner, sagt’ ich freundlich,
Und fuhrt’ ihn an der Hand
Zum Herde, holte Spane,
Blies, brachte sie in Brand!

Ich lieb ihn sich erwarmen,
Nahm ihn in meinen Arm,
Und macht’ in meinen Handen
Ihm seine Hande warm!

Aus seinen goldnen Locken
Druckt’ ich den Regen aus;
Ihm helfen, dacht’ ich, bringet
Mir Segen in mein Haus!

“Hatt’ ich”, sprach er, “ich Armer,
Mich doch nur nicht verirrt! –
Mein Bogen ist verdorben,
Sieh’ nur, mein lieber Wirth!”

“Erschlafft von vielem Regen
Ist er, o weh’, ich bin
Um meinen lieben Bogen!”
Ja, sprach ich, der ist hin!

“Lab sehn!” sprach da der Knabe,
Spannt’ ihn und druckt’ ihn los,
Und traf recht in die Mitte
Mein Herz mit dem Geschob!

Und tanzt’ umher und lachte,
Und sprach mit frohem Muth:
“Mein lieber Wirth, sey frohlich,
Mein Bogen ist noch gut!”

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Amor’s Nachtbesuch - JOHANN WILHELM LUDWIG GLEIM