Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові

Schon

Du warst kein sogenanntes “schones” Kind.
Auch ich ward nicht vom Arm des Glucks getragen
“Wie hablich diese beiden Kleinen sind!”
so horte uber uns wie oft ich sagen.
Das hat so wehe, wehe mir getan,
nicht etwa meinet-, sondern deinetwegen.
Was diese Oberflachlichen nicht sahn,
fur mich hat’s nicht zu tief in dir gelegen,
denn als ich einst vor Hunger leise weinte,
hast du, selbst hungrig, mir dein Brot gebracht,
und das, das war’s, was uns fortan vereinte,
weil’s dich fur mich so schon, so schon gemacht.

Wir kannten nicht der Jugend Sonnenschein;
wir lebten; aber schwer war es, zu leben.
Den kargen Trost, den haben wir allein,
du mir, ich dir im Stillen uns gegeben.
Wir waren hablich, aber ohne Neid;
wir waren arm, doch fleibig und zufrieden
und darum immer, immer dankbereit
fur das, was uns der liebe Gott beschieden.
Und als wir endlich am Altare standen,
wo dir an Stolz und Demut Keine glich,
und wir fur ewig, ewig uns verbanden,
wie warst du da so schon, so schon fur mich!

Fuhrt mich mein Herz in jene Zeit zuruck,
wie mub ich da im Tode noch dich lieben!
Ein kleines Hauschen, doch ein grobes Gluck;
das Hauschen wuchs; das Gluck ist ihm geblieben.
Du bautest es mit mir zu einem Haus,
in dem der Himmel auf der Erde wohnte.
Du gingst als seine Seele ein und aus,
die meinen Fleib fast uberreich belohnte.
Mir war’s, wenn du so still und fromm gewaltet,
als stundest du in heilger Engel Dienst,
und niemals ist mein Herz fur dich erkaltet,
weil du mir stets so schon, so schon erschienst.

Wie gern, wie gern ich dich als Mutter sah!
Bin ich denn deiner wirklich wert gewesen?
Ich glaub es nicht, obgleich es oft geschah,
dab ich in deinem Aug ein Ja gelesen.
Du gabst mir lachelnd immer, immer Recht,
wenn wir um die Erziehung Rat gepflogen,
doch ward nicht nur das jungere Geschlecht,
nein, auch der Vater wurde mit erzogen.
Erzogen? Ja: Du offnetest die Pforte
und fuhrtest uns hinauf zu Gottes Hohn.
Dein Beispiel war’s; es waren nicht die Worte,
und dieses Beispiel war so schon, so schon!

Du spannst so gern, so heimlich, ungesehn;
sogar auch mir verbargst du deinen Faden.
Doch war die stille, gute Tat geschehn,
so hab ich deine liebe Hand erraten.
So spannst du fort. Wir wurden beide grau,
doch spannst du weiter, immer, immer weiter.
Du spannst, glaub ich, du liebe Herzensfrau,
in deiner Gute unsre Himmelsleiter.
Ich seh dich heute noch, so freundlich sinnend,
wie ich dich einst, als du noch lebtest, sah,
an einem neuen Liebeswerke spinnend,
und fuhl’s: Wie schon, wie schon warst du mir da!

Als du mir schiedest, welch, o welch ein Tag!
War’s nur der Sarg? Sah ich auch dich versenken?
Ich will die Tote nicht, die vor mir lag,
denn ich kann dich mir nur als lebend denken.
Du gibst ja noch; du gibst durch meine Hand;
sie ist ja dein, durch Liebe dir erworben.
Du wirkst noch so, wie ich’s von dir gekannt,
bist bei mir, in mir, bist mir nicht gestorben.
Du zeigst dich nicht, doch fuhl ich deine Nahe,
und dies Gefuhl, fast gleicht es dem Gesicht.
Wenn ich dich jetzt, jetzt vor mich treten sahe,
wie schon warst du, wie engelgleich, wie licht!


Schon - KARL MAY