Українська та зарубіжна поезія

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Das alte Haus

Der Maurer schreitet frisch heraus,
er soll dich niederbrechen;
da ist es mir, du altes Haus,
als horte ich dich sprechen:
“Wie magst du mich, das lange Jahr’
der Lieb’ und Eintracht Tempel war,
wie magst du mich zerstoren?”

Dein Ahnherr hat mich einst erbaut
und unter frommem Beten
mit seiner schonen, stillen Braut
mich dann zuerst betreten.
Ich weib um alles wohl Bescheid,
um jede Lust, um jedes Leid,
was ihnen widerfahren.

Dein Vater ward geboren hier
in der gebraunten Stube,
die ersten Blicke gab er mir,
der munt’re, kraft’ge Bube.
Er schaute auf die Engelein,
die gaukeln in der Fenster Schein,
dann erst auf seine Mutter.

Und als er traurig schlich am Stab
nach manchen schonen Jahren,
da hat er schon, wie still ein Grab,
in meinem Schob erfahren;
In jener Ecke sab er da,
und stumm und handefaltend sah
er sehnlich auf zum Himmel.

Du selbst – doch nein, das sag’ ich nicht,
ich will von dir nicht sprechen,
hat dieses alles kein Gewicht,
so lab nur immer brechen.
Das Gluck zog mit dem Ahnherrn ein,
zerstore du den Tempel sein,
damit es endlich weiche.

Noch lange Jahre kann ich stehn,
bin fest genug gegrundet,
und ob sich mit der Sturme Wehn
ein Wolkenbruch verbundet,
kuhn rag’ ich wie ein Fels empor,
und was ich auch an Schmuck verlor,
gewann ich’s nicht an Wurde?

Und hab’ ich denn nicht manchen Saal
und manch geraumig Zimmer?
Und glanzt nicht festlich mein Portal
in alter Pracht noch immer?
Noch jedem hat’s in mir behagt,
kein Glucklicher hat sich beklagt,
ich sei zu klein gewesen.

Und wenn es einst zum letzten geht,
und wenn das warme Leben
in deinen Adern stille steht,
wird dies dich nicht erheben,
dort, wo dein Vater sterbend lag,
wo deiner Mutter Auge brach,
den letzten Kampf zu streiten?”

Nun schweigt es still, das alte Haus;
mir aber ist’s, als schritten
die toten Vater all heraus,
um fur ihr Haus zu bitten,
und auch in meiner eig’nen Brust,
wie ruft so manche Kinderlust:
Lab stehn das Haus, lab stehn!

Indessen ist der Mauermann
schon ins Gebalk gestiegen,
er fangt mit Macht zu brechen an,
und Stein’ und Ziegel fliegen.
Still, lieber Meister, geh von hier,
gern zahle ich den Taglohn dir;
allein das Haus bleibt stehen.

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Das alte Haus - FRIEDRICH HEBBEL