Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Ein epitaphium oder klag-red ob der leych D. Martini Luthers

Als man zelt funffzehen hundert jar
Und sechs und viertzig, gleich als war
Der sibenzehend im hornung,
Schwermutigkeit mein hertz durch drung

5
Und west doch selb nit, was mir was.
Gleich traurig auff mir selber sab,
Legt mich in den gedancken tieff
Und gleich im unmut grob entschlieff.
Mich daucht, ich wer in eynem tempel,

10
Erbawt nach sechsischem exempel,
Der war mit kertzen hell beleucht,
Mit edlem reuchwerck wol durch-reucht.
Mitten da stund bedecket gar
Mit schwartzem tuch ein todten-par.

15
Ob dieser par da hieng ein schildt,
Darinn ein rosen war gebild.
Mitten dardurch so gieng ein creutz.
Ich dacht mir: Ach Gott, was bedeuts?
Erseufftzet darob traurigkleich.

20
Gedacht: Wie wenn die todten-leich
Doctor Martinus Luther wer?
Inn dem tratt aub dem chor daher
Ein weib in schnee-weissem gewand,
Theologia hoch genand.

25
Die stund hin zu der todten-par.
Sie wand ihr hend und raufft ir har,
Gar klaglich mit weynen durch brach,
Mit seufftzen sie anfieng und sprach:
Ach, das es mub erbarmen Got!

30
Ligst du denn yetz hie und bist tod?
O du trewer und kuner heldt,
Von Gott, dem Herren, selb erwelt,
Fur mich so ritterlich zu kempffn,
Mit Gottes wort mein feind zu dempffn,

35
Mit disputirn, schreybn und predigen,
Darmit du mich denn thetst erledigen
Aub meiner trubsal und gezwencknub,
Meyner babylonischen gfencknub,
Darinn ich lag so lange zeyt

40
Bib schier inn die vergessenheyt
Von mein feinden in hertzen leyd,
Von den mir mein schnee-weisses kleyd
Vermayligt wurd schwartz und besudelt,
Zerrissen und scheutzlich zerhudelt,

45
Die mich auch hin und wider zogen,
Zerkruppelten, krumbten und bogen!
Ich wurd geradprecht, zwickt und zwagt,
Verwundt, gemartert und geplagt
Durch ir gotlose menschen lehr,

50
Das man mich kaum kund kennen mehr.
Ich galt endtlich gar nichts bey in,
Bib ich durch dich erledigt bin,
Du thewrer held, aub Gottes gnadn,
Da du mich waschen thetst und badn

55
Und mir wider reynigst mein wat
Von iren lugen und unflat.
Mich thetst du auch heylen und salben,
Das ich gesund steh allenthalben,
Gantz hell und reyn, wie im anfang.

60
Darinn hast mich bemuhet lang,
Mit schwerer arbeyt hart geplagt,
Dein leben offt darob gewagt,
Weil babst, bischoff, kunig und fursten
Gar sehr nach deinem blut was dursten,

65
Dir hindter-duckisch nach gestelt.
Noch bist du als ein Gottes held
Blieben warhafft, trew und bestendig,
Durch kein gefar worden abwendig
Von wegen Gottes und auch mein.

70
Wer wirt nun mein verfechter sein,
Weyl du genummen hast ein end?
Wie wird ich werden so ellend?
Verlassen in der feinde mit?
Ich sprach zu ir: O furcht dir nit,

75
Du heylige! sey wolgemut!
Got hat dich selbs in seyner hut,
Der dir hat uberflussig geben
Vil treflich manner, so noch leben.
Die werden dich handhaben fein

80
Sampt der gantz christlichen gemeyn;
Der du bist worden klar bekand
Schir durchaub in gantz teutschem land.
Die all werden dich nicht verlassen,
Dich reyn behalten aller massen

85
On menschen lehr, wie du yetz bist.
Darwider hilfft kein gwalt noch list.
Dich sollen die pforten der hellen
Nicht uberweltigen noch fellen.
Darumb so lab dein trawren sein,

90
Das doctor Martinus allein
Als ein uberwinder und siger,
Ein recht apostolischer krieger,
Der seynen kampff hie hat verbracht
Und brochen deiner feinde macht

95
Und ietz aub aller angst und not
Durch den milt barmhertzigen Got
Gefordert zu ewiger rhu!
Da helff uns Christus allen zu,
Da ewig freud uns aufferwachs

100
Nach dem elend! das wunscht Hans Sachs.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 3,00 out of 5)


Ein epitaphium oder klag-red ob der leych D. Martini Luthers - HANS SACHS