Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Lieder eines Sunders. 49. Nachtzauber

Wie wag’ ich’s nur, mein junger Tag,
In’s helle Antlitz dir zu schauen?
Der ich der Nacht zu FьЯen lag
In sьndesьЯem Wollustgrauen!

Die Nacht war meine Kцnigin,
Sie weckte tiefste Herzenstцne –
Sie strцmte Visionen hin,
Und Trдume waren unsre Sцhne!

O Trдume, die mit milder Hand
Mir alle Erdenschwere scheuchten!
Die mich mit ihrem stillen Brand
Entrьckten zu der Sterne Leuchten!

O Trдume, die mich hold benetzt
Mit Wunderfingern, gabenschweren –
Das Ewige mir nah gesetzt
Und stolz verweigert das Entbehren!

Wie ruht’ es sich so kцstlich weich
In ihres SchooЯes Zauberkrьmmung!
Wie unermeЯlich war mein Reich –
Wie schцpferisch des Herzens Stimmung!

Nun blickst du mir, mein junger Tag,
In’s Angesicht, das bleichverwachte,
Und fragst, was ich zu deinem Preis
Aus nдcht’gen Tiefen aufwдrtsbrachte?

Ich kenne dich! Und doch bist du
So fremd mir noch und schooЯverschlossen!
Noch schwьlt in meiner Seele nach
Der Duftschwall, so der Nacht entsprossen.

Und doch! Hier hast du meinen Arm –
Ob meiner Sehnsucht Eulenflьgel
Auch nachtwдrts flattern — – nimm mich hin –
Erwirb mich mit dem Sonnensiegel!


Lieder eines Sunders. 49. Nachtzauber - HERMANN CONRADI