Українська та зарубіжна поезія

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Regentage

Das war an einem Regentag,
Ein Gieben, ein Sturmen, ein Schauern,
Das Wetter hielt mich festgebannt
In kalten, unwirtlichen Mauern.
Wir wohnten just zur selben Zeit
Freuudnachbarlich Stubchen an Stubchen,
Ich trat gar schuchtern bei dir ein,
Du zeigtest die lachelnden Grubchen,
Dein glanzvoll’ Auge sah nach mir,
Es ward mir ein wenig beklommen,
Ich war kaum da und wunsche fast,
Ich war’ lieber gar nicht gekommen.
Ich wahnte dich mein Ideal,
Ich hatte vor samtlichen Frauen
Sehr viel Respekt und manchmal gar
Ein sub andachtiges Grauen.
O Jugendtraum, ich bracht’ es nicht
Zuwege, dab ich dich verlachte,
Durch den ich meine frohste Zeit
In reinster Gesellschaft verbrachte.
Ich sab ganz selig neben dir,
Ganz selig, doch freilich auch stumm,
Du hast ein paarmal still fur dich
Gelachelt, ich weib jetzt, warum.
Mir galt mein Schweigen fur beredt
Und jegliches Wort fur vermessen,
Ich ward ein andrer dazumal
Als ich dir zur Seite gesessen.
Wie lauhinweh’nde Fruhlingsluft
So fachelte mich noch das Leben
Und alles schwamm in Farb’ und Duft.
Die Welt war mir eigen gegeben,
Mir eigen ganz, so dab sie mich
In all ihrer Fulle entzuckte,
Dab sie kein Wunsch und kein Begehr’
Entheiligte oder zerstuckte.
In diesem Ganzen hast auch du
Als rosige Flocke getrieben,
Ich haschte in Gedanken dich,
Doch ist’s beim Gedanken geblieben;
Denn wenn ich dir auch Freiheit lieb,
So bist du mir doch nicht entronnen,
Es hielt dich ja das gleiche Netz
Mit sonnigen Faden umsponnen.
Doch sann ich, wenn dein Aug’ mich traf,
Der Rede helllachende Tone,
Wie du vermochtest da zu sein
In all solcher Anmut und Schone?!
Und ich entschlob mich ohne Laut,
Die Lust deines Anblicks zu tragen,
Was mich bewegte, konnte ich
In Worten dir nimmermehr sagen, – – –
Es dunkelte und Lichter rings
Erhellten allmahlich die Straben,
Da rucktest du den Stuhl und sprachst:
“Herr Nachbar, ich mub Sie verlassen!”

Und wieder war’s em Regentag,
Da sah ich zur Kirche dich fahren
In weibem Kleid, den Myrtenkranz
Auf deinen reichwallenden Haaren.
Es fiel ein sanfter Regen nur
In spruhenden Tropfen zur Erde,
Es machte dich verdrieblich und
Du sagtest: “Mich jammern die Pferde!”
Als man dir aus dem Wagen half,
Da zogst du das Fubchen zuruck,
Die Gaffer ringsum lachten laut:
Der Regen, der brachte ja Gluck!
An einem Pfeiler lehnte ich
Und ubte mit grimmen Behagen
Mich in der Kunst, so auszusehn,
Als hatt’ ich das Schwerste zu tragen.
Es schien mir ein Verrat, so arg,
Wie jemals nur einer gekartet,
Dab dich ein andrer nahm zur Frau
Und du nicht auf mich hast gewartet.
Doch als ich nach der Trauung Schlub
Dich durch das Gedrange, das dichte,
Am Arm des Gatten nahen sah
Mit freudigem, frohem Gesichte,
Die Wange leise angehaucht
Wie eine erbluhende Rose,
Da fuhr am Pfeiler ich empor
Aus meiner weltschmerzlichen Pose
Und trat heran und wunschte Gluck,
Ich traf es, darein mich zu schicken
Wie andere, doch schien es mir,
Du danktest mit warmeren Blicken.

Als wir danach uns wiedersah’n,
Das war erst nach Jahren und Tagen,
Da hat der Himmel sich in Grau
Und du dich in Trauer getragen.
Es mahnte mich von fern dein Schritt,
Ich kannte dich bald an dem Gange.
Das schwarze Kleid, es hob den Schnee
Des Nackens, die Blasse der Wange,
Es brannte durch den dunklen Flor
Dein Auge so feurig wie immer
Und unter schwarzer Krause lag
Das Haar in hellgoldigem Schimmer.
In manchem gabst du freier dich,
In anderem wieder gebunden,
Ich habe dich so schon wie je,
Wenn nicht gar noch schoner gefunden.
Du wiesest auf dein Trauerkleid,
Das sage mir wohl zur Genuge,
Welch schmerzlicher Verlust dich traf.
Dich wundre nur, wie man’s ertruge!

Ob ich es wohl entfernt gedacht,
Dich solcherart wieder zu finden?
Du stundest nun allein wie einst,
Doch mubtest du jetzt es empfinden.
Es wurde dir das Auge feucht,
Ich druckte dir trostend die Hande,
Als du erzahltest wie dein Mann,
Gelitten gar schwer bis ans Ende.
Er war der Beste von der Welt,
Indessen du habest nicht Hehle,
Dab er nicht ganz vollkommen war,
Er hatte auch etliche Fehle.
Doch was man Gluck zu nennen pflegt,
Bemessen mir stets nur personlich,
Man klage nicht, dab man getauscht,
Man tausche sich selber gewohnlich.
Denn wer der Freuden Fluchtigkeit,
Der Sorge Beharren empfunden,
Der habe fur das Leben wohl
Die thorichte Liebe bewunden.
Man trete in den Zauberkreis
Nur einmal mit freudigem Hoffen,
Doch freilich hattest du – wer weib! –
Vielleicht es einst besser getroffen!
Du schlugst den Blick verwirrt zur Erd’,
Worauf du zum Gehen dich wandtest
Und mir mit raschen Schritten bald
Im stromenden Regen entschwandest.

Und heute war ein Regentag, –
Ein Gieben, ein Sturmen, ein Schauern,
Der fullte mir die Seele ganz
Mit tiefem, mit herzwehem Trauern.
Da wurde aus der Stube ich
Auf wenige Worte gebeten,
Es stunde auben eine Frau
Die will nicht die Diele betreten.
Ich trat hinaus und sah ein Weib
In armlichen triefenden Fetzen,
Ich kenn’ sie nicht, du nennest dich,
Ich starre dich an mit Entsetzen.
Wie glanzlos blickt das dunkle Aug’,
Die Haare sie hangen in Flechten,
Du langst nach meinen Handen mit
Der hageren, zitternden Rechten.
Bist du es denn? Und halt zur Stund’
Kein qualender Traum mich gefangen?!
Dann kommst du, eine Bettlerin,
Zum armeren Manne gegangen.
Die Welt, die einst mir eigen war,
Versucht’ ich zu halten vergebens,
Sie wuchs, indes die Arme mir
Erlahmten im Kampfe des Lebens.
Was vor mir lag, das sah so schal.
Ich ware bankrott in dem Innern
Schon langst geworden, wenn ich nicht
Gezehret von meinem Erinnern.
Zu dem Vergangnen habe ich
Gefluchtet im trug’rischen Wahnen,
Man konne mir nichts rauben vom
Vergangenen Traumen und Sehnen!
Da plotzlich seh’ ich dich vor mir,
Vom Jammer das Auge gefeuchtet –
Das uber meiner Jugendzeit
In sonniger Frische geleuchtet –
Und eingeschrumpft die kleine Hand,
Die einst mir die Narbe geschlagen,
Wie knochern ist der Finger doch,
An dem du das Ringlein getragen!
Wie welk der Mund, des Zauberwort
Nach Jahren besprochen den Schaden
Und wieder mir das Herz begabt
Mit aller Erinnerung Gnaden!
Du stehst vor mir als Bettlerin
Und ahnest nicht, was in die Hande
Ich dir nun lege, wenn auch mit
Der kleinsten, der armlichsten Spende! –
Wie ist die ganze Seele mir
Erfullet mit herzwehem Trauern,
Verweil, verweile Regentag
Mit Gieben und Sturmen und Schauern!
Nur jetzt, ihr Wolken, labt euch nicht
Vom tosenden Sturme zerreiben,
Nur jetzt von keinem Sonnenblick
Das Duster des Tages durchgleiben,
Dab nicht zum Hohne, nicht zum Spott
In goldenen Schimmer sich kleidet
Die armliche Gestalt, die dort
Gebrochen die Strabe beschreitet.

Regentage - LUDWIG ANZENGRUBER