Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Der Erobrungskrieg

Wie sich der Liebende freut, wenn nun die Geliebte, der hohen
Todeswog’ entflohn, wieder das Ufer betritt;
Oft schon hatt’ er hinunter geschaut an dem Marmor des Strandes,
Immer neuen Gram, Scheiter und Leichen gesehn;
Endlich sinket sie ihm aus einem Nachen, der antreibt,
An das schlagende Herz, siehet den lebenden! lebt!
Oder wie die Mutter, die harrend und stumm an dem Thor lag
Einer durchpesteten Stadt, welche den einzigen Sohn
Mit zahllosen Sterbenden ihr, und Begrabenen einschlob,
Und in der noch stets klagte das Todtengelaut,
Wie sie sich freuet, wenn nun der rufende Jungling heraussturzt,
Und die Botschaft selbst, dab er entronnen sey, bringt.
Wie der trube, bange, der tieferschutterte Zweifler,
(Lastende Jahre lang trof ihm die Wunde schon fort)
Bey noch Einmal ergrifner, itzt festgehaltener Wagschal,
Sehend das Übergewicht, sich der Unsterblichkeit freut!
Also freut’ ich mich, dab ein grobes, machtiges Volk sich
Nie Eroberungskrieg wieder zu kriegen entschlob;
Und dab dieser Donner, durch sein Verstummen, den Donnern
Anderer Volker, dereinst auch zu verstummen, gebot.
Jetzo lag an der Kette das Ungeheuer, der Greuel
Greuel! itzt war der Mensch uber sich selber erhoht!
Aber, weh uns! sie selbst, die das Unthier zahmten, vernichten
Ihr hochheilig Gesetz, schlagen Erobererschlacht.
Hast du Verwunschung, allein wie du nie vernahmst, so verwunsche!
Diesem Gesetz glich keins! aber es sey auch kein Fluch
Gleich dem schrecklichen, der die Hochverrather der Menschheit,
Welche das hehre Gesetz ubertraten, verflucht.
Sprechet den Fluch mit aus, ihr blutigen Thranen, die jetzo
Weint, wer voraussieht; einst, wen das Gesehene trift.
Mir lebt nun die Geliebte nicht mehr: der einzige Sohn nicht!
Und der Zweifler glaubt mir die Unsterblichkeit nicht!

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 4,50 out of 5)


Der Erobrungskrieg - FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK