Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Gesprach

Der Jungere
Ihr gleicht nun vollig dem vertriebnen Herzog,
Der zaubern kann und eine Tochter hat:
Dem im Theaterstuck, dem Prospero.
Denn Ihr seid stark genug, in dieser Stadt
Mit Eurem Kind so frei dahinzuleben,
Als waret Ihr auf einer wusten Insel.
Ihr habt den Zaubermantel und die Bucher,
Mit Geistern zur Bedienung und zur Lust
Euch und die Tochter zu umgeben, nicht?
Sie kommen, wenn Ihr winkt, und sie verblassen,
Wenn Ihr die Stirne runzelt. Dieses Kind
Lernt fruh, was wir erst spat begreifen lernten:
Dab alles Lebende aus solchem Stoff
Wie Traume und ganz ahnlich auch zergeht.
Sie wachst so auf und furchtet sich vor nichts:
Mit Tieren und mit Toten redet sie
Zutraulich wie mit ihresgleichen, bluht
Schamhafter als die festverschlobne Knospe,
Weil sie auch aus der leeren Luft so etwas
Wie Augen stets auf sich gerichtet fuhlt.
Allmahlich wird sie grober, und Ihr lehrt sie:
>Hab du das Leben lieb, dich nicht zu lieb,
Und nur um seiner selbst, doch immerfort
Nur um des Guten willen, das darin ist.<
In all dem ist fur sie kein Widerspruch,
Denn so wie bunte Muscheln oder Vogel
Hat sie die Tugend lieb Bis eines Tages
Ihr sie vermahlt mit Einem, den Ihr vollig
Durchschaut, den Ihr gepruft auf solche Art,
Die kein unedler Mensch ertragt, als ware er
Schiffbruchig ausgeworfen auf der Insel,
Die Ihr beherrscht, und ganz Euch zugefallen
Wie Strandgut.

Der Ältere
Nun meine ich, ist mir ein Mab geschenkt,
Ein unveranderlich und sichres Mab,
Das mich fur immer und untruglich abhalt,
Ein leeres Ding fur voll zu nehmen, mich
Fur Schales zu vergeuden, fremdem Fuhlen
Und angelerntem Denken irgend Platz
In einer meiner Adern zu gestatten.
Nun kann zwar Krankheit, Elend oder Tod
Mich noch bedrohen, aber Luge kaum.
Dazu ist dies mein neues Amt zu voll
Einfacher Hoheit. Und daran gemessen
Vergeht erlogne Wichtigkeit zu Nichts.
Ins Schlob gefallen sind die letzten Turen,
Durch die ich hatte einen schlimmen Weg
Antreten konnen. Durch und durch verstort,
Im Kern beschmutzt und vollig irr an Gute
Werd ich nun nicht mehr. Denn mich hat ein Glanz
Vom wahren Sinn des Lebens angegluht.

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Gesprach - HUGO VON HOFMANNSTHAL