Українська та зарубіжна поезія

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Verklarte Nacht

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain;
der Mond lauft mit, sie schaun hinein.
Der Mond lauft uber hohe Eichen,
kein Wolkchen trubt das Himmelslicht,
in das die schwarzen Zacken reichen.
Die Stimme eines Weibes spricht:

Ich trag ein Kind, und nit von dir,
ich geh in Sunde neben dir.
Ich hab mich schwer an mir vergangen;
ich glaubte nicht mehr an ein Gluck
und hatte doch ein schwer Verlangen
nach Lebensfrucht, nach Muttergluck
und Pflicht – da hab ich mich erfrecht,
da lieb ich schaudernd mein Geschlecht
von einem fremden Mann umfangen
und hab mich noch dafur gesegnet.
Nun hat das Leben sich geracht,
nun bin ich dir, o dir begegnet.

Sie geht mit ungelenkem Schritt,
sie schaut empor, der Mond lauft mit;
ihr dunkler Blick ertrinkt in Licht.
Die Stimme eines Mannes spricht:

Das Kind, das du empfangen hast,
sei deiner Seele keine Last,
o sieh, wie klar das Weltall schimmert!
Es ist ein Glanz um Alles her,
du treibst mit mir auf kaltem Meer,
doch eine eigne Warme flimmert
von dir in mich, von mir in dich;
die wird das fremde Kind verklaren,
du wirst es mir, von mir gebaren,
du hast den Glanz in mich gebracht,
du hast mich selbst zum Kind gemacht.

Er fasst sie um die starken Huften,
ihr Atem mischt sich in den Luften,
zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.

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Verklarte Nacht - RICHARD DEHMEL