Українська та зарубіжна поезія

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Das Land der Weiber



Immer noch schlief Tulifantchen,
Als schon auf den Feuerradern
Helios’ goldner Wagen rollte,
Wach schon lang war Zuckladoro.
Schimmel, nach dem Schlafer horchend,
Sprach bei sich: “Hier gilt nicht zaudern;
Rasch von dannen, in die Weite!
Schlummernd soll mein Herre vorwarts
Gleich so manchem Tatentater.”
Sprach’s und hob sich auf die Fube,
Rannte durch die Welt im schragen
Windelweichen Schaukelpabgang.
Tulifantchen traumt’ indessen
Von den Drachen, Riesen, Ogern,
Hieb auf gift’ge Ungeheuer,
Fing den Phonix ein, den Vogel,
Wohnt’ in Bergkristallengrotten,
Liebend mit der Nixe kost’ er.
Doch ein larmend Rufen kreischte
Jetzt ins Ohr des Schimmels, weckend
Drang es in des Helden Öhrchen.
Rings um ihn erscholl es: “Haltet,
Haltet auf das Pferd, das ledge,
Auf den Schimmel, den verloffnen!”
Aus dem Ohre hochst gereizet
Sprang der Held, Don Tulifantchen,
Glitt von Haar zu Haar hinunter,
Feu’r vom Wirbel bis zur Zehe,
Trotzig rief er: “Wer da waget
Zu behaupten, dab ein ledger
Schimmel sei an diesem Platze,
Der verfechte die Behauptung!
Ich beweis’ auf Tod und Leben,
Dab ein Schimmel mit dem Reiter
Ist zur Stelle. Hier der Reiter!”
Aber als er um sich blickte,
Sah er nichts als Weiber; Schurzen
Sah sein Aug’, so weit es reichte.
Und er stand vor einer groben
Stadt und vor dem groben Stadttor.
Überm Tore prangt’ ein macht’ges
Wappen, und im Wappen stolzte
Eine Kunkel als das Hauptschild.
Frug der Held, Don Tulifantchen:
“Wo bin ich, und wes das Land hier?”
Und die Nachste, zu ihm tretend,
Eine kraftige Brunette,
Sprach: “Du bist im Land der Weiber,
Vor der Stadt der Weiber stehst du.”
Sinnend fragte Tulifantchen:
“Leben hier denn keine Manner,
Wie gebrauchlich allerorten?”
Sprach die kraftige Brunette:
“Keine Manner sind geduldet,
Oder nur im Sklavenkittel,
Unterm Schatten jener Kunkel.
Grob ist unser Reich; die Grenzen
Schlossen sich noch nicht des Landes.
Taglich mehren die Provinzen
Sich durch wachsende Erobrung.
Frauen fuhren die Geschafte
Hier des Orts. In Ehr’ und Staatsamt
Siehst du Frauen nur; die Kon’gin
Grandiose herrscht ob allen.”
Frug der Held, Don Tulifantchen:
“Doch wie kam es, dab das Mannsvolk
Euch gewichen ist? Das sag mir!”
Sprach die kraftige Brunette:
“Unsre Manner hieben girrend
Uns der Schopfung Meisterstucke,
Engel, irdsche, ohne Flugel,
Lagen stets Zu unsern Fuben,
Nannten sich der Schonheit Knechte.
Dies geschah so lang, bis dab wir
Einstens sprachen: Nun, so wollen,
a wir Engel sind, wir kunftig
Wohnen in der Herrschaft Himmel,
Und der Schopfung Meisterstucke
Solln nicht ferner euch, den niedern
Rohen Dutzendfabrikaten
Kochen Supp’ und Fleisch, Gemuse.
Griffen drauf zu unsern Waffen,
Zu den Spindeln, zu den Nadeln,
Schlugen unsre Manner – schwachlich
Waren sie vom Knien geworden -,
Trieben sie nach fernen Zonen,
Und so haben wir die Herrschaft.
Doch nicht langer frag, o Fremdling!
Fuhren mub ich zum Palast dich,
Da du gleichfalls bist ein Mannsbild.”
“Nur noch eines fragen lab mich”,
Sprach Don Tulifantchen; “sag mir,
Wie erhalt wohl euer Staat sich
Ohne Manner fur die Folge?”
Sprach die kraftige Brunette:
“Dafur auch ist schon gesorget.
Denn Provinzen, neu erobert,
Grenzen an des Paradieses
Lang verschollnen grunen Garten.
Dort wachst eine Art von Baumen,
So die teuren Schwestern alle
Ohne jenen Spruch des Fluches
Hatt’ der Muhe uberhoben,
Die seitdem herkommlich worden.
Denn es reifen an den Ästen
Dicht und voll die schonsten Kinder.
Dieser Baumfleck ist Regale.
Welche nun der Weiber wunschet
Mutterfreuden zu genieben,
Diese loset von der Herrschrin
Aufgestempeltem Papiere
Einen Kinderschein und darf dann
So viel Fruchtchen, als sie liebet,
Dort sich von den Zweigen schutteln.
Siehe, Jungling, so erneut sich
Ohne Manner, ohne Kindsnot
Unser Staat allein durch Baumobst.
Aber jetzt frag mich nicht weiter,
Folge mir zur Kon’gin spornstracks.”
Tulifantchen blickte gluhend
Um sich, rief: “Bin ich denn wehrlos?”
Dann, die Hand zur Stirn gefuhret,
Fabte sich der Held und sagte:
“Weiben Handen gern ergibt sich
Jeder Paladin von Ehre.”
Sprach’s mit adliger Gebarde,
Neigend zierlich Haupt und Schwertlein.
Und voran schritt die Brunette,
Hinterdrein schritt Tulifantchen,
Schimmel folgte, jetzo schuttelnd
Voll Bedenklichkeit das Ohr schwer.
Also schritt der Zug palastwarts
Durch die weiberangefullten
Straben, durch die Straben, voll von
Kindern aus dem Pflanzenreiche.



Das Land der Weiber - CARL LEBERECHT IMMERMANN