Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Deutsche Biederkeit

Biederherz, der brave Junge,
Hort, dab von ‘ner bosen Zunge
Schlimm sein Freund verlaumdet sey,
Lauft zu dem in Zornes Drange,
Klingelt nicht — das wahrt zu lange,
Schlagt das Fenster ihm entzwei.

Und hinein mit halbem Leibe
Schreit er durch die offne Scheibe
Wuthend die Salamitat.
Kann vor Ärger sich nicht fassen,
Wirft zur Erd’ ein Brett mit Tassen,
Welches in dem Fenster steht.

Mittags hat er seine Gaste,
Darum labt er auf dem Feste
Alle seine Tugend los;
Nothigt stark zu Wein und Speisen,
Dem, der sich nicht lasset weisen,
Schuttet er es in den Schoos.

Abends seht ihr Biederherzen
Auf dem Ball gemuthlich scherzen,
Tritt den Damen auf die Fub’;
Kinder, ruft er, nur nicht eben
Gar zu zimperlich im Leben;
Ach die Freiheit ist so sub!

Eine Dame, die er heftig
Trat mit seinen Fuben kraftig,
Fallt in Ohnmacht, sinket hin.
Gleich holt Biederherz die Flasche
Kolnisch Wasser aus der Tasche,
Stopfel sitzt zwar fest darin:

Doch auch hier weib er was dienlich,
Er zerschlagt die Flasche kuhnlich
Auf dem Kopf der Dam’ im Nu.
Als nun Blut und Wasser rinnet,
Gleich die Dame sich besinnet,
Augenblicklich kehrt sie zu.

Und an unsern schlaffen Zeiten
Schlagen diese Biederkeiten
Wie ein Elfenbrunnen an.
Nichts bleibt heil in seiner Nahe,
Wo er gehe, wo er stehe,
Zeiget sich der deutsche Mann.


Deutsche Biederkeit - CARL LEBERECHT IMMERMANN