Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Der Trompeter von Sakkingen 5. Stuck

Jetzt mein Lied, nimm dich zusammen!
Zu dem Freiherrn fuhrt der Pfad dich
Und zu seiner holden Tochter.
Halt dich g’rad und fein und artig,
Denn ein alter Reiter-Obrist
Macht mit dir und deinesgleichen
Nicht viel Umstand’ – ja er konnte
Dich zur Trepp’ hinunterwerfen,
Die ist glatt und vielgestufet,
Und das mochte dich beschad’gen.
Steigt hinauf, mein Lied, zum macht’gen
Schlobportal, – in Stein gehauen
Stehn im Wappenfeld drei Kugeln,
Wie sie auch die Medicaer
Zu Florenz im Schilde fuhrten, –
Des Bewohners Adel kundend.
Steig’ die breiten Sandsteinstufen,
Anklopf’ an der hohen Saaltur
Und tritt ein und gib Bericht uns,
Was du schalkhaft dort erlauscht.
Dort im hohen Rittersaale,
Wo der Wande Holzvertaflung
Mit verstaubten Ahnenbildern
Mannigfach geschmucket war,
Sab behaglich in dem Lehnstuhl,
Bei dem lustig lohen Feuer
Des Kamins der alte Freiherr.
Grau schon war sein langer Schnurrbart,
Zu der Narb’, die auf die Stirn einst
Ihn ‘ne schwed’sche Reiterklinge
Eingezeichnet, war vom Alter
Manche Furche schon gezogen,
Und es hat ein schlimmer Gast sich
In des Freiherrn linkem Fube
Unberufen eingenistet.
Zipperlein nennt man’s gewohnlich,
Doch so einer es gelehrter
Podagra benamsen mochte,
Hab’ ich nichts dawider – seine
Stiche stechen drum nicht minder.
Heut war’s ziemlich zahm, nur selten
Wollt’ es machtiger rumoren,
Und dann sprach der Freiherr lachelnd:
“Donnerwetter! in dem langen
Bosen Dreibigjahr’gen Kriege
Hat sogar das Zipperlein
Von der Kriegskunst was gelernt.
Regelrecht beginnt’s den Angriff
Und schickt erst die Tirailleure
Plankelnd vorwarts, dann mobile
Streifkolonnen – mog’ der Teufel
Die Rekognoszierung holen! –
Aber nicht genug – als sabe
Mir im Herzen eine Festung,
Brummt’s als wie Kartaunengrube,
Zuckt’s, als wurde Sturm gelaufen,
Piff! paff! ich kapituliere.”

Jetzt gerad’ war Waffenstillstand
Eingetreten – und behaglich
Sab der Freiherr – aus dem Steinkrug
Einschenkt er den groben Humpen.
Dort bei Hallau, wo die letzten
Hugel von dem hohen Randen
Sich zum Rhein herniedersenken,
Wo der Winzer bei der Arbeit
Fernher des Schaffhauser Falles
Stromgewaltig Rauschen hort:
Hatte liebevoll die Sonne
Ausgekocht den wurz’gen Rotwein
Den der tapfre Freiherr stets als
Vespertrunk zu schlurfen pflegte.
Zu dem Weine aber blies er
Schwere Wolken schweren Tabaks;
In schmucklosem, rotem Tonkopf
Brannte das fremdland’sche Rauchkraut,
Und er schmauchte es aus langem,
Dunkelm, duft’gem Weichselrohr.

Zu des Freiherrn Fuben streckte
Zierlich sich der biedre Kater
Hiddigeigei mit dem schwarzen
Samtfell mit dem macht’gen Schweif.
‘s war ein Erbstuck seiner teuern
Fruhverblichnen stolzen Gattin
Leanor Montfort du Plessys.
Fern in Ungarn war die Heimat
Hiddigeigeis; ihn gebar die
Mutter aus Angoras Stamme
Einem wilden Pubta Kater.
Aber nach dem Seinestrande
Sandt’, als Zeichen seiner Achtung,
Ihn ein ung’rischer Verehrer,
Der sich fern in Debreczin noch
An Lenorens blaue Augen
Und des Elternschlosses Ratten
Ehrfurchtsvoll erinnerte.
Mit der stolzen Leanor’ zog
Hiddigeigei nach dem Rheine
Treu als Haustier; etwas einsam
Spann er seines Daseins Faden,
Denn er habte die Gemeinschaft
Mit dem deutschen Katzenvolk.
“Zwar sie mogen” – also dacht’ in
Stolzem Katerselbstgefuhl er,
“Guten Herzens sein und einen
Fond besitzen von Gemute,
Doch es fehlt an gutem Tone,
Fehlt an Bildung, an Tournure
Ganzlich diesen ordinaren
Autochthon’schen Waldstadtkatzen.
Wer die ersten Katersporen
Zu Paris verdient, wer einstens
Im Quartiere von Montfaucon
Auf die Rattenjagd gegangen,
Dem gebricht’s in diesem Stadtlein
Leider ganz an geistverwandten
Elementen fur den Umgang.”
Isoliert drum, aber wurdig,
Wurdig stets und ernst gemessen
Lebt er hier im Herrenhaus.
Zierlich schlich er durch die Sale,
Tief melodisch war sein Schnurren,
Und im Zorn selbst, wenn er keifend
Seinen Buckel aufwarts krummte,
Seine Haare ruckwarts straubte,
Wubt’ er immer noch die Anmut
Mit der Wurde zu verbinden.
Doch wenn uber Dach und Giebel
Leise kletternd er verwegen
Auszog auf die Mausejagd;
Wenn geheimnisvoll im Mondlicht
Seine grunen Augen blitzten:
Dann vor allen grob, dann wahrhaft
Imposant war Hiddigeigei.

Bei dem Kater sab der Freiherr.
In den Augen zuckt es oft ihm
Wie ein Blitz – oft wie ein milder
Strahl der untergehnden Sonne,
Und er dacht’ an alte Zeiten.
Ist es doch des Alters bestes
Labsal, wie von hoher Warte
Ruckzuschaun ins ferne Ehmals.
Und der Greis ist nie alleine.
Ihn umschweben langgestorbne
Scharen in vergilbten Wamsern,
In altmod’schem Prachtgewand.
Doch den Moder tilgt Erinn’rung;
Um die Schadel schlingt sich wieder
Jugendfrische, alte Schonheit,
Und sie plaudern von verklungnen
Tagen, und des Greisen Herz pocht,
Und die Faust ballt oft sich krampfhaft.
Wieder schaut er vom Balkone
Grubend sie herniederwinken,
Wieder blasen die Trompeten,
Und der schwarze Renner tragt ihn
Wiehernd in das Schlachtenwetter.* * *Wohlgemut hielt so der Freiherr
Der Erinn’rung grobe Heerschau,
Und wenn oftmals seine Rechte
Jah zum Humpen fuhr und einen
Starken Schluck der Alte sturzte,
Mocht’ ihm wohl ein teures schones
Bildnis vor die Seele treten;
Oft auch schien an minder Wertem
Sein Gedachtnis anzuhaften,
Denn, des aubern Grunds entbehrend,
Fuhr zuweil’ auf Hiddigeigeis
Rucken ein gewalt’ger Fubtritt,
Und der Kater fand es ratlich,
Seinen Ruhplatz zu verandern.
In den Saal kam leicht geschritten
Jetzt des Freiherrn holde Tochter
Margareta, – und beifallig
Nickt’ der Alte, wie sie eintrat.
Hiddigeigeis Dulderantlitz
Strahlte gleichfalls katzenfreudig.
Mit dem schwarzen Samtgewand war
Jetzt vertauscht das weibe Festkleid,
In den blondgelockten Haaren
Schnippisch sab die schwarze Schnepphaub’,
Und hausmutterlich sah drunter
In die Welt ihr blaues Aug’ vor.
Von dem Gurtel hing gewichtig
Schlusselband und ledern Taschlein,
Deutscher Hausfrau Ehrenzeichen.
Und sie kubt’ des Freiherrn Stirne
Und sprach: “Vaterchen, nicht zurnet,
Dab ich lang Euch heut allein lieb.
Druben hielt mich lang im Stift die
Gnadige Frau Furstabtissin,
Und sie sagte mir viel Schones,
Sprach belehrend auch vom Alter
Und vom Zahn der Zeit und anderm,
Und der Herr Komtur von Beuggen
Sprach so sub, als hatt’ die Worte
Er erkauft beim Zuckerbacker,
Und ich freut’ mich, als ich loskam.
Eurer hochgestrengen Winke
Bin ich jetzo hier gewartig;
Bin erbotig, aus dem groben
Theuerdank Euch vorzulesen,
Denn ich weib, Ihr liebt die plumpen
Abenteu’r und Jagdgeschichten
Mehr als die empfindsam suben
Schaferdichter des Jahrhunderts.

Doch warum mubt Ihr denn immer,
Vaterchen, von diesem leidig
Giftigen Tabake rauchen?
Hab’ schier Furcht, wenn Ihr so dasitzt,
Tief in Wolken eingehullt,
Wie der Eggberg in dem Nebel,
Und mich dauern stets die guldnen
Bilderrahmen an der Wand dort
Und der Glanz des weiben Vorhangs.
Hort Ihr nicht ihr leises Klagen,
Dab vom Dampf aus Eurer Tonpfeif’
Rubig, blab und grau sie werden?
s’ mag ein wunderschones Land sein,
Das Amerika, das einst der
Span’sche Admiral entdeckte,
Und ich selber freu mich an den
Buntgescheckten Papageien
Und den purpurnen Korallen,
Traum’ zuweilen auch von hohen
Palmenwaldern, stillen Hutten,
Groben Blumen, Kokosnussen
Und von bosen wilden Affen.
Beinah wunscht’ ich doch, es lage
Unentdeckt im stillen Meer noch
Um des leid’gen Rauchkrauts willen,
Das von dort zu uns gekommen.
Gern verzeih’ ich einem Manne,
Wenn er oft und mehr als notig
Sich den Rotwein aus dem Fab zapft,
Konnt’ im Notfall selbst mit einer
Roten Nase mich versohnen,
Niemals mit dem Tabakrauchen.”

Lachelnd hort’ das Wort der Freiherr,
Lachelnd blies er neue Wolken
Aus der Tonpfeif’ und erwidert’:
“Teures Kind, ihr Frauenzimmer
Sprecht so leicht in Tag von vielem,
Des Verstandnis euch ganz abgeht.
Zwar es hat ein Kriegsmann manche
Bitterbose Angewohnheit,
Die nicht in den Frauensaal pabt;
Doch mit Unrecht schilt das Rauchen
Meine Tochter, dank’ ich ihm doch
Die Gemahlin und den Hausstand.
Und dieweil mir heut manch alte
Kriegsgeschichte durch den Kopf brummt,
Setz zu mir dich – statt des Lesens
Will ich selbst dir ‘was erzahlen
Von dem Kraut, das du gescholten,
Und von deiner sel’gen Mutter.”
Zweifelnd sah ihn Margareta
Mit dem groben blauen Aug’ an,
Nahm zur Hand die Stickerei, die
Bunten Wollknaul und die Nadel,
Ruckt’ den Schemel zu des Alten
Lehnstuhl, und sie setzt’ anmutig
Sich zur Seit’ ihm. So im Walde
Rankt beim knorrig alten Eichbaum
Jugendschon die wilde Rose.
Doch der Freiherr leert’ mit festem
Zug den Humpen und erzahlte:

“Als der bose Krieg im Land war,
Streift ich einst mit wenig deutschen
Reitern in dem Elsab druben;
Hans von Weerth war unser Obrist.
Schwed’ und Franzmann lag vor Breisach,
Von manch tapferm Reiterstucklein
Machten wir ihr Lager sprechen.
Doch viel Hunde sind des Hasen
Tod, – auf einer wilden Hetzjagd
Hatte sich der ganze grobe
Helle Hauf’ an uns verbissen,
Und aus mancher Wunde blutend
Mubten wir die Sabel strecken.
Kriegsgefangen transportierte
Der Franzos uns nach Paris, dann
In den Kafig von Vincennes.
Tod und Teufel! sprach der tapfre
Hans von Weerth, ‘s war doch einst lust’ger,
Im Galopp, mit blankem Pallasch
Zur Attacke anzusprengen,
Als hier, auf der Pritsche liegend,
Mit der Langweil’ zu turnei’n;
Gegen die hilft keine Waffe,
Selbst nicht Wein und Wurfelbecher,
Nur der Tabak, – hab’s erprobet
Im gelobten Land der Langweil’,
Bei den Mynheers, – ‘s wird auch hier uns
Guten Dienst tun, labt uns rauchen!
Sprach’s – der Kommandant der Festung
Schafft’ von niederland’schem Kramer
Uns ein Fab Varinasknaster,
Schafft’ uns auch gebrannte Pfeifen.
In der Zell’ der Kriegsgefangnen
Anhub bald ein ungeheures
Qualmen, Dampfen, Wolkenblasen,
Wie’s in dem galanten Frankreich
Noch kein sterblich Aug’ gesehn.
Staunend sahen’s unsre Wachter,
Und die Kunde kam zum Konig,
Und der Konig kam hochstselber,
Anzuschaun das blaue Wunder.
Bald erzahlte ganz Paris sich
Von den wilden deutschen Baren
Und von ihrer unerhorten
Wundersamen Kunst des Rauchens.
Wagen fuhren, Pagen sprangen,
Kavalier’ und stolze Damen
Kamen in die enge Wachtstub’,
Und auch sie kam, sie die stolze
Leanor Montfort du Plessys,
Heut noch seh’ ich sie den zarten
Fub auf unsern Estrich setzen,
Hor’ die Atlasschleppe rauschen.
Und es schlug mein Reiterherz, als
Ging’s ins helle Schlachtgewuhl;
Wie der Dampf der Feldgeschutze
Flog der Rauch aus meiner Tonpfeif’,
Und ‘s war gut so. Auf den Wolklein
Die ich angesichts der Stolzen
Keck emporblies, sab Gott Amor,
Lustig schob er seine Pfeile,
Und er wubte gut zu treffen;
Aus der Neugier wurde Teilnahm’,
Aus der Teilnahm’ wurde Liebe,
Und der deutsche Bar erschien ihr
Feiner bald und edler als die
Samtlichen Pariser Lowen.
Doch ich selber, als die Pforte
Unsrer Kriegshaft aufging und der
Herold uns die Freiheit brachte,
War erst recht itzt ein Gefangner,
Lag in Leanorens Banden
Und verblieb drin, auch die Hochzeit,
Die uns glucklich bald zum Rhein fuhrt’,
Hat sie enger nur geschlungen.
Denk’ ich dran, schier will die Trane
In den grauen Schnurrbart rollen.
Und was blieb von all der Pracht mir?
Die Erinnerung, der alte
Schwarze Kater Hiddigeigei
Und das Ebenbild Lenorens,
Du, mein Kind – Gott hab’ sie selig.”
Sprach’s und klopfte seine Pfeif’ aus,
Streichelte den schwarzen Kater,
Doch das Tochterlein tat schalkhaft
Einen Fubfall vor dem Alten
Und sprach: “Vaterchen, gebt gnadig
Einen Generalpardon mir,
‘s soll kein Sterbenswortlein uber
Meine Zung’ hinfuro kommen
In betreff des bosen Rauchens.”

Huldvoll lachelte der Freiherr.
Sprach: “Du hat auch ob des Weintrunks
Stichelreden dir erlaubt, ich
Hatt’ schier Lust, dir zur Belehrung
Noch ein anderweitig Stucklein
Zu erzahlen, wie zu Rheinau,
Bei dem Furstabt in dem Kloster,
Ich einst in Hallauer Weine
Einen schweren Straub bestand.
Doch – -” der Freiherr hielt und schaute
Nach dem Fenster: “Blitz und Donner!
Was ist das fur ein Trompeten?”
Sub klang drauben durch die Marznacht
Werners Blasen zu dem Schlob auf,
Einlab bittend, wie die Taube,
Die zuruck zur Herrin fliegend
Ans verschlossne Fenster bittend
Mit dem Schnabel pickt und hammert.
Zum Balkone trat der Freiherr,
Trat die Tochter, gravitatisch
Folgte beiden Hiddigeigei,
Ahnung zog durchs Katerherz ihm,
Ahnung grober kunft’ger Dinge.
Und sie spahten – doch vergebens,
Denn des Schlobturms Schatten deckte
Den Trompeter und die Kiesbank.
Jauchzend doch wie Jagdhalali,
Schmetternd wie zum Reiterangriff,
Klang’s herauf noch zum Balkone;
Stille dann – ein dunkler Nachen
Schwamm auf dunkler Flut rheinaufwarts.

Ruckwarts schritt der Freiherr – hastig
Zog die Glock’ er, rief den Diener
Anton. Anton kam gegangen.
“Schleunigst mach dich auf die Kundschaft,
Wer um diese Stund’ vom Rhein her
Ein Trompeterstuck geblasen.
Ist’s ein Geist, so schlag drei Kreuze,
Ist’s ein Mensch, so grub ihn artig
Und entbiet zu mir aufs Schlob ihn.
Hab’ ein Wort mit ihm zu sprechen.”
Militarisch grubend machte
Rechtsumkehrt der treue Anton:
“Gnad’ger Herr, ich werd’s bestellen.”

Schweigend senkte sich indessen
Mitternacht auf Tal und Stadtlein,
Und zu Margareta kam ein
Sonderbarer Traum geflogen:
Wieder schritt im Festgewande
Sie zum Munster Fridolini,
Ging der Heil’ge ihr entgegen,
Hing ein Mann an seiner Seite,
Aber nicht der Tote, der ihm
Zum Gericht nach Glarus folgte:
‘s war ein schlanker, schmucker Jungling,
Sah schier aus wie ein Trompeter,
Und er grubt’ sie ehrerbietig,
Lachelnd winkt’ Sankt Fridolin.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)


Der Trompeter von Sakkingen 5. Stuck - JOSEPH VICTOR VON SCHEFFEL