Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Der Trompeter von Sakkingen 4. Stuck

Jubel herrschte drin im Stadtlein,
Und die in der Fruh einmutig
Mit des Heil’gen Festzug gingen,
Saben jetzo gleich einmutig
Bei dem Weine oder bei dem
Schaumend goldnen Gerstensaft.
Pfropfen sprangen, Becher klangen
Und manch ungeheurer Humpen
Ward zu Ehren Fridolini
Von den Herrn hinabgesturzt;
Schmunzelnd uberschaut’ der Wirt die
Zahl der leergetrunknen Fablein,
Und mit andachtigem Blicke
Kreidet er sie an die Tafel.
Drauben bei dem Tore, wo der
Bauersmann die Einkehr nimmt,
Klang Musik, die Fiedel streichend
Sab dort mit gekreuzten Beinen
Schwefelhanns, der alte Geiger,
Und in ungefugem Tanze
Schwang die Dirn der blonde starke
Hauensteiner Bauernjungling.
Drohnen knarrte oft der Boden
Ob dem plumpen Fubgestampfe,
Und der Kalk fiel von den Wanden,
Also machtig klang ihr Jauchzen.
Naserumpfend sah’s von weitem
Manch neugierig schmuckes Stadtkind,
Und doch dacht’s im Herzensgrunde:
Lieber grob als gar nicht tanzen!

Die gesetzten Mannen saben
Fern vom Tanze in der Zechstub’;
Und wie einstmals ihre Ahnen
Sich den Wodansjulrausch tranken,
Tranken, zah histor’schen Sinnes,
Sie den Fridolinusbrand itzt.
Traurig zupft die treue Gattin
Manchen an dem breiten Rockschob,
Wenn der zweite, wenn der dritte
Harte Taler auf dem Tisch klingt,
Aber ruhig spricht der Ehherr:
“Teures Weib, gebiete deinen
Tranen, heut mub alles hin sein!”
Und er wankt nicht, bis der spate
Wachter mit der Hellebarde
Ihm den Feierabend ansagt.
Dann erst bos im Zickzack schreitet
Er hinauf zu seinen Bergen,
Und die Mitternacht schaut manchen
Jahen Sturz im Tannenwald;
Doch sie deckt’s mit gnad’gem Grauen,
Deckt auch gnadig zu die Schlage,
Die zum Schlub des hohen Festtags
Auf der Ehfrau Rucken hageln.

– Einsam, seitab von dem Larmen
Schritt jung Werner – unwillkurlich
Trieb’s hinaus ihn an den Rheinstrand.
Ihn umschwebte noch das blonde
Sube, milde Jungfraunantlitz,
Und es schien ihm wie ein Traum, dab
Er es fruh leibhaftig schaute. –
Heib die Stirne – seine Augen
Schweiften unstet bald zum Himmel,
Bald auch senkten sie demutig
Fragend sich zur Erde nieder,
Und er achtet’ nicht des Nordwinds,
Der die Locken ihm durchwuhlte.
In dem Herzen jagten sich in
Wilder Flucht die Glutgedanken
Gleich dem Nebel, der in seltsam
Buntem Wechsel der Gestalten
Herbstlich um die Berge spielt,
Und es klang und sprobt’ und wogte
Wie die ersten Keime eines
Unvollendeten Gedichtes.
Also einst, vor grauen Jahren,
Schritt am Arnostrand ein ander
Menschenkind, bewegt und sinnend.
Er auch ein Trompeter, doch ein
Dustrer, der des Weltgerichtes
Gellende Posaunentone
Durch die faule Zeit geblasen.
Aber damals, an dem Festtag,
Als zuerst er sie erschaute,
Die ihm Leitstern seines Lebens,
Fuhrerin zum Paradies ward:
Trieb’s auch ihn hinaus zum Strome.
Unter Eich’ und Myrten schritt er,
Und fur alles, was im tiefsten
Grund der Seele klang und jauchzte,
Fand er nur ein einzig Wortlein:Beatrice! Beatrice! Und so werden einst nach tausend
Und nach abertausend Jahren
Andre – von der Lieb’ durchschuttert –
Traumerisch den gleichen Gang gehn.
Und wenn einst am Rhein der letzte
Sprob germanischen Geblutes
Heimgegangen zu den Vatern,
Wandeln andre dort und schwarmen,
Und in weichen, fremden Lauten
Sprechen sie das Wort: Ich lieb’ dich!
Kennt die Manner ihr? – sie haben
Etwas plattgedruckte Nasen,
Ihre Ahnherrn trinken jetzo
Fern am Aral und am Irtisch
Zukunftssicher ihren Branntwein. – –
Junge Liebe, schmucke Perle,
Balsam kranken Menschenherzens,
Anker schwanken Lebensschiffleins,
Immergrun auf durrem Flugsand:
Nimmer wag ich’s, dir zum Preise
Einen neuen Sang zu singen.
Ach, ich bin ein Epigone,
Und vielhundert tapfre Manner
Lebten schon vor Agamemnon,
Und ich kenn’ den Konig Salom’
Und die schlechten deutschen Dichter.
Dankbar schuchtern nur gedenk’ ich
Dein und deines stillen Zaubers.
Er durchglanzt mit durrem Schein der
Jugend Nebel, zeigt dem Auge
Klar und scharf des Lebens Umrib,
Zeigt, wohin den Schritt zu lenken,
Und erwarmt das Herz zur Wandrung.
Leises Sehnen, stolzes Hoffen,
Trotz’gen Mut und kuhnes Denken:
Alles danken wir der Liebe;
Ihr den heitern Sinn auch, dran wir
Wie am Bergstock leicht so manchen
Klotz am Wege uberspringen.
Glucklich drum der Mann, in dessen
Herz die Liebe jauchzend einzog.
Doch jung Werner schien sich heute
Noch nicht klar daruber, was er
Eigentlich am Rhein hier treibe.
Traumend schritt er durch den Sand hin
Sonder Schonung seiner Stiefel,
Die der Wellenschaum durchnetzte.
Ihn erblickte in dem Grunde
Just der Rhein, der dort dem Zweikampf
Zweier alter Krebse zusah
Und mit schallendem Gelachter
Beifall nickte, wenn in Wut sie
Ihre scharfen Scheren kreuzten.
Ja der Rhein, – er ist ein schoner
Junger Mann, er ist durchaus kein
Geographischer Begriff nur, –
Der erbarmte sich jung Werners,
Rauschend stieg er aus den Fluten,
Einen Schilfkranz in den Locken,
Einen Schilfstab in der Rechten.
Ihn erkannte Meister Werner,
Dem, als Sonntagskind, vergonnt war,
Mehr zu schauen als manch andrer,
Und er grubte ihn respektvoll.

Lachelnd sprach zu ihm der Rhein drauf:
“Furcht’ dich nicht, mein junger Traumer,
Denn ich weib, wo dich der Schuh druckt.
Komisch seid ihr doch, ihr Menschen,
Glaubt, ihr tragt ein still Geheimnis
Durch die Welt und schwarmet einsam,
Und es sieht’s ein jeder Kafer,
Sieht’s die Mucke, sieht’s die Schnake,
Sieht’s an eurer heiben Stirne,
Sieht’s an eurem feuchten Blicke,
Dab die Lieb’ in euch gefahren.
Furcht’ dich nicht, ich kenn’ die Liebe; –
Hab’ auf meinen Wasserfahrten
Manchen falschen, manchen echten
Treuschwur in roman’scher, deutscher,
Wie holland’scher Zung vernommen,
(Letztre waren meist sehr nuchtern)
Habe nachtlich auch am Ufer
Manch ein Kosen, manch ein Kussen
Schon erlauscht und hab’ geschwiegen,
Nahm auch manchen armen Teufel,
Den der Kummer tief ins Herz bib,
Trostend auf in meinen Fluten;
Und die Wasserfrauen sangen
Ihm ein Schlummerlied, – und sorgsam
Trug ich ihn an ferne Ufer,
Unter Weiden, unter Schilfrohr,
Fern von allen bosen Zungen,
Ruht sich’s sanft von falscher Liebe.
Manchen hab’ ich so bestattet,
Manchen auch im kuhlren Grunde,
Im kristallnen Wasserschlosse
Gut beherbergt, dab er nimmer
Sich nach Menschen seht und Ruckkehr.

Furcht’ dich nicht, ich kenn’ die Liebe.
Wird mir’s selber doch noch immer
Eng ums Herz, wenn ich des Schwarzwalds
Berge grub’ – und jubelnd sturz’ ich
Über die Schaffhauser Felsen,
Schlag’ mich mutig, wellenschaumend
Durch die Laufenburger Enge,
Denn ich weib, bald eilt mein liebes
Schwarzwaldkind, die junge Wiese,
Still verschamt mir in die Arme,
Und sie plaudert mir in rauher
Alemann’scher Sprach’ vom Feldberg,
Von den mitternacht’gen Geistern,
Von Bergblumen, von den groben
Hauben und vom Durst in Schopfheim.
Und ich lieb’ sie, nimmer schau’ ich
Satt mich an den blauen Augen,
Und ich lieb’ sie, nimmer kuss’ ich
Satt mich an den roten Wangen.
Oft renn’ ich wie du, ein Traumer,
Wirr vorbei am alten Basel,
Ärgre mich an den langweil’gen
Steifen Ratsherrn, ruinier’ auch
Im Vorbeigehn ein Stuck Mauer,
Und sie glauben, es sei Zorn, was
Doch nur Übermut der Liebe.
Ja, ich lieb’ sie – es verfolgen
Mich viel andre schone Damen,
Keine – selber nicht die stolze
Weinesreiche Mosel tilgt mir
Die Erinn’rung an die schmucke
Feldbergstochter, an die Wiese.
Und wenn ich im Sand von Holland
Mud’ die muden Wellen schleppe
Und die Windmuhl’ trocken klappert,
Überfliegt mich’s oft wie subes
Heimweh nach der Jugendliebe.
Und es tont mein dumpfes Rauschen
Weithin durch die kahlen Felder,
Weithinaus bis in die Nordsee,
Aber keiner dort versteht mich.

Furcht’ dich nicht, ich kenn’ die Liebe,
Und ich kenn’ euch, deutsche Traumer,
Die an meinen Ufern wohnen.
Bin ich selbst doch euer Abbild,
Und des deutschen Volks Geschichte,
Sturm und Drang und bitt’res Ende
Steht in meinem Lauf geschrieben.
Ich auch komm’ aus marchenhafter
Heimat, – fremde Alpengeister,
Stehn an eiskristallner Wieg’ mir
Und geleiten mich ans Tagslicht.
Stark und wild ist meine Kindheit,
Und wer zahlt die Felsenblocke,
Die ich brausend dort zerschmettre
Und emporwerf’ wie ein Ballspiel?
Frisch und flott durchschwimm’ ich dann das
Schwab’sche Meer und unversehret
Trag’ ich meine stolze Jugend
Weiter in die deutschen Gau’n.
Und noch einmal steigt die ganze
Duftumhauchte Stromromantik
Vor mir auf, – die alten Traume
Kehren sub verklaret wieder:
Schaum und Brandung, feste Stadte,
Burg und Fels und stilles Kloster,
Und die Rebe reift am Hugel,
Und der Wachter grubt vom Turme,
Und die Wimpel flattern lustig,
Und von hoher Klippe tonet
Wundersam der Lurley Singen.
Aber dann geht’s schnell zu Ende,
Und ich klag’ ob dem Verlornen
Und ergebe mich dem Trunke,
Bete auch zu Koln im Dome,
Und zuletzt werd’ ich ein Lasttier,
Schab’gen Kramern mub ich dienen,
Auf dem vielgepruften Rucken
Schwimmt das niederland’sche Treckschuyt,
Und im Sand, den ich so todlich
Hasse, schlepp’ ich mud’ mein Dasein,
Und ich bin schon lang gestorben,
Eh’ das Meeresgrab mich aufnimmt.
Hut’ dich, hut’ dich vor Versandung!
Ja, ich konnt’ noch viel erzahlen,
Guter Laune bin ich heute,
Und ich lieb’ die jungen Burschen,
Die wie du und wie ich selbst hier
Frisch noch in die Zukunft schaun.
Drum soll auch mit einem guten
Rat die lange Standred’ schlieben.
Weib, das bitter du verliebt bist;
Hor’s: dein Lieb heibt Margareta,
Ist des Freiherrn schone Tochter,
Dessen Schlob dort hell erglanzend
Sich in meinen Fluten spiegelt.
Oft erseh’ ich auf dem Soller
Dort die Jungfrau – und ich freu’ mich,
Trag’ auch dich gern in die Nahe.
Dort der Kahn – und dort das Ruder!
Alles Weitre uberlab ich
Billig deiner eignen Weisheit.”
Sprach’s und schuttelte die Locken,
Und hinab zum Grunde taucht’ er.
Zischend schlug die Wogenbrandung
Über seinem Haupt zusammen,
Und von fern noch tont sein Lachen,
Denn inzwischen war der Krebskampf
Ernst beendigt, einer lag im
Blut, dem andern fehlt’ ein Schwanzstuck.

Werner tat, wie ihm geraten.
Stand ein alter Turm beim Ufer
Quaderfest im Wassergrunde;
Dort, wo durch verstohlen Pfortlein
Niedersteigt zum Strand der Fischer,
War in lauschig stiller Rheinbucht
Kahn und Ruder in Bereitschaft.
Heute feierte der Bootsmann,
Und ohn’ Anfrag’ mocht jung Werner
Heut entfuhren ihm das Fahrzeug.
Abend war’s inzwischen worden,
Da und dort klang von den Bergen
Hell und scharf ein einzeln Jauchzen,
Zeichen trunkner Bauernheimkehr.
Jenseits ferner Tannenwalder
Sah der Mond ins Tal hernieder,
Und die ersten Sternlein zeigten
Schuchtern sich am Himmelsfeld.
Ab vom Strande stieb jung Werner.
Wie ein Rob, das lang verschlossen
In dem Stall, sich freudig aufbaumt,
Freudig wiehernd, dab es seinen
Herrn ins Weite tragen darf,
So sprang keck und windschnell auf dem
Glatten Wasserpfad das Schifflein;
Sprang in hellem Lauf voruber
An des Stadtleins Mauerzinnen,
Sprang hinab zur alten Rheinbruck,
Die die holzverdeckten Bogen
Kuhn zum andern Ufer spannt.
Unterm dritten Pfeiler steuert’
Mutig durch der junge Schiffsmann,
Lachend als zum Schabernack den
Kahn der Strudel wirbelnd packte,
Dreimal hob und dreimal senkte.
Bald erschaute er des Schlosses
Hohe Giebel, Erkerturme
Mondumschienen, durch des Gartens
Machtige Kastanien glanzen,
Gegenuber ragte niedrig
Aus den Fluten eine Kiesbank –
Unbewachsen – oftmals ganzlich
Überflutet sie die Stromung,
Scherzend heibt der Mann im Rheintal
Sie den Acker Fridolini.
Dorthin trieb der schwanke Kahn jetzt.
Dorten hielt er – auf den spitzen
Kieselboden sprang jung Werner,
Und die Blicke hielten Umschau,
Fragend, ob er Sie erspahe.
Nichts erschaut’ er – als im fernen
Erkerturm ein fernes Lichtlein;
Aber dies schon war genug ihm.
O wie oft erquickt im Leben
Macht’ger uns ein ferner Schein, als
Reiche Fulle des Besitzes,
Und es gonnet ihm das Lied drum
Seine Freud’, aus Rheines Mitten
Aufzuschauen nach dem Lichtlein.
Vor dem traumumflorten Blicke
Lag ein neues reiches Leben,
Sonn’ nicht glanzt, nicht Sterne drinnen,
Nur das eine kleine Lichtlein,
Und vom Turm, worin es brannte,
Kam mit leisem Flugelschlag die
Lieb’ zu ihm herabgerauschet
Und sab bei ihm auf der Kiesbank,
Auf dem Acker Fridolini.
Und sie reicht’ ihm die Trompete,
Die auch hieher ihn begleitet,
Und sprach: Blase, blase, blase!

Also blies er, und sein Blasen
Zog melodisch durch die Nacht hin.
Lauschend hort’s der Rhein im Grunde,
Lauschend Hecht und Lachsforelle,
Lauschend auch die Wasserfrauen,
Und der Nordwind trug die Klange
Sorgsam auf zum Herrenschlob.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 2,50 out of 5)


Der Trompeter von Sakkingen 4. Stuck - JOSEPH VICTOR VON SCHEFFEL