Українська та зарубіжна поезія

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Affrontenburg



Die Zeit verfliebt, jedoch das Schlob,
Das alte Schlob mit Turm und Zinne
Und seinem bloden Menschenvolk,
Es kommt mir nimmer aus dem Sinne.

Ich sehe stets die Wetterfahn,
Die auf dem Dach sich rasselnd drehte.
Ein jeder blickte scheu hinauf,
Bevor er nur den Mund auftate.

Wer sprechen wollt, erforschte erst
Den Wind, aus Furcht, es mochte plotzlich
Der alte Brummbar Boreas
Anschnauben ihn nicht sehr ergotzlich.

Die Klugsten freilich schwiegen ganz –
Denn ach, es gab an jenem Orte
Ein Echo, das im Wiederklatsch
Boshaft verfalschte alle Worte.

Inmitten im Schlobgarten stand
Ein sphinxgezierter Marmorbronnen,
Der immer trocken war, obgleich
Gar manche Trane dort geronnen.

Vermaledeiter Garten! Ach,
Da gab es nirgends eine Statte,
Wo nicht mein Herz gekranket ward,
Wo nicht mein Aug geweinet hatte.

Da gab’s wahrhaftig keinen Baum,
Worunter nicht Beleidigungen
Mir zugefugt worden sind
Von feinen und von groben Zungen.

Die Krote, die im Gras gelauscht,
Hat alles mitgeteilt der Ratte,
Die ihrer Muhme Viper gleich
Erzahlt, was sie vernommen hatte.

Die hat’s gesagt dem Schwager Frosch –
Und solcherweise erfahren konnte
Die ganze schmutzige Sippschaft stracks
Die mir erwiesenen Affronte.

Des Gartens Rosen waren schon,
Und lieblich lockten ihre Dufte;
Doch fruh hinwelkend starben sie
An einem sonderbaren Gifte.

Zu Tod ist auch erkrankt seitdem
Die Nachtigall, der edle Sprossen,
Der jenen Rosen sang sein Lied; –
Ich glaub, vom selben Gift genoss er.

Vermaledeiter Garten! Ja,
Es war, als ob ein Fluch drauf laste;
Manchmal am hellen lichten Tag
Mich dort Gespensterfurcht erfasste.

Mich grinste an der grune Spuk,
Er schien mich grausam zu verhohnen,
Und aus den Taxusbuschen drang
Alsbald ein Ächzen, Rocheln, Stohnen.

Am Ende der Allee erhob
Sich die Terrasse, wo die Wellen
Der Nordsee, zu der Zeit der Flut,
Tief unten am Gestein zerschellen.

Dort schaut man weit hinaus ins Meer.
Dort stand ich oft in wilden Traumen.
Brandung war auch in meiner Brust –
Das war ein Tosen, Rasen, Schaumen –

Ein Schaumen, Rasen, Tosen war’s,
Ohnmachtig gleichfalls wie die Wogen,
Die klaglich brach der harte Fels,
Wie stolz sie auch herangezogen.

Mit Neid sah ich die Schiffe ziehen
Voruber nach begluckten Landen –
Doch mich hielt das verdammte Schloss
Gefesselt in verfluchten Banden.



Affrontenburg - HEINRICH HEINE