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Der Barfuser Secten vnd Kuttenstreit, Anzuzaigen die Romisch ainigkait

Gedicht von Johann Friedrich Fischart
Dis ist ain wunderlicher streit,
Der jrr gemachet hat vil Leut,
Vnd ist aim also im gesicht
Vorkommen, wie es hie geschicht.
Vnd wiwol er vor Jaren etlich
Ward beschriben nach der lang sehr deitlich,
Auch manniglich wol angenem,
Doch weil die kurze ist bequem,
Will ich einzihen diselb lang,
Wiwols kaum leid die Klostermeng.
Vnd erstlich, ist demselben Man
Sanct Low, Francisci gros Caplan,
Erschinen vnd hat gfuret jn
Auf ainen hohen Lattner hin,
Im Sanct Franciscum dort gewisen,
Wie er so scheuzlich wurd zerrissen
Von seinen aignen Ordens-Leuten,
Die hin vnd her sein Regul deiten,
Demnach im auch erklart dabei,
Was jde Person thu vnd sei,
Namlich, das die Nonn, die da steht,
So mit Francisci Hand vmbgeht,
Vnd jm wolt gern die Wund verstreichen,
Auf das Ir pliben die Wundzaichen,
Ist von Senis Sant Katharein,
So soll ains Ferwers Tochter sein,
Die sagt, das, da sie war verzuckt,
Hab jr Maria eingetruckt
Funf Wundmal, die sie selbs vileicht
Jr malt, auf das jr der Franz weicht.
Diser gleich beigefallen sind
All Prediger-Monch, das schwarz Gesind,
Die han Franciscum gar veracht
Vnd darfur jr Katt gros gemacht.
Als aber die schir war verschwunden,
Ain Schneiderknecht zu Bern sie funden,
Dem sie funf Wunden auch einetzten
Vnd jn vber Franciscum sezten.
Drumb sticht der Schneider hie dem Franzen
Das Herz ab mit der Schneider Lanzen,
Vnd schneid ab mit der Schar die Hand,
Das er damit sein Wund verquannt.
Folgents, der Bartecht, der dort steht,
Dem das Hemd aus den Hosen geht,
Vnd sein Patron am Backen zerrt,
Als ob er Haar von jm begert,
Ist aus der Chiaciner Sect,
Die gern warm inn den Hosen steckt,
Auch inn dem Mantel vnd im Hemd,
Vnd welchs der Regul ist gar fremd,
So haben sie auch ainen Bart
Vnd lind Schuh, dan die Monch sint zart.
Nachgehends kompt ain Capuciner,
Der rumt sich auch Francisci Diner,
Vnd trennt sich vmb die Gugel doch,
Die mus jm sein vor andern hoch.
Der aber holt das Bettbuch do,
Nannt sich vom Evangelio,
Weil sie sein Regul an Corden tragen,
Welchs sie das Evangelium sein sagen.
Der hie das Crucifix erwischt,
Vom Orden Pauperes er ist,
Die tragen das kreuz an der Kutten,
Vnd schlagen sich oft, das sie pluten.
Seh, wie sich sperrt ain anderer Orden,
Welcher benant ist von der Pforten,
Von Portiuncula (schon Latein),
Der will den Ablasprif allain,
Welchen, wie die Monch han erdacht,
Maria hat Francisco bracht,
Darinnen Ablas ist versprochen
Allen, die durch jr Kirchthor krochen.
Deren, die an der Kutten reissen,
Will der ain, ain Amadeer haissen,
Sonst gnant Bruder von Gotes Lib,
Die ich gern mit dem D. beschrib.
Der ander nennt sich ain Pauliner,
Ja wol Fauliner, Maule-diner;
Der ain will Eselfarb han die Kutt,
Den andern Spatzengraw dunkt gut;
Der Esel will die Kutt han eng,
Die Spaz ganz weit von guter lang.
Der ain will, die Cord soll jm sein
Nach des Franzen ganz weis zum schein,
Aber der ander Kuttenlapp
Will, Franz het ain Sail wie die Kapp.
Ist das mir nicht ain ernster streit?
Sint Klosterwascherin kain fromm Leut?
Auch kompt S. Clar aus jrem Kloster,
Greift zwischen dem Bain zum Paternoster;
Die hat gstift sonder Bettels-glider,
Die man haibt die Klarinerbruder,
Die schamen sich Francisci Namen,
Tragen doch Eselgraw allsammen.
Die aber gschurzt hie nackend knien,
Am rechten Fus Franciscum zihen,
Da ist der ain von Neuer Sect,
Die vor sechzig Jarn ward geheckt
Vom Minoriter zu Paris,
Die sich die Repentinisch his,
Von Penitenz, die sie beweisen
Mit Gaiseln, damit sie sich schmeissen.
Der ander haibt von Observanz
Sonst Plochler, halt die Regul ganz,
Weil er ist ain Holzschuhen Reuter,
Ibt nichts gekochts on Ops vnd Krauter.
Gleichs thut auch diser Bettel-kund,
Der Bosiainer, mit seim fund,
Der maint, sonst niman komm zum Hail,
Er trag dan, wie er, Schuh von Sail.
Nachher, der vmbzicht mit dem Basen,
Den Staub ganz fleisig aufzulasen,
Ist von dem Orden Minimi,
Die Minsten sind sie dort vnd hi;
Sie tragen von Francisco vmb
Vil Kat vnd Erd, falsch Hailigtumb.
Noch ist ain lust zusehen dort
Die zwen Schuhfechter auf aim Ort,
Dis sind Minores, Minoriter,
Die man sonst nennt die Minderer-Bruder,
Die wollen sein gringer vnd minder
Dan Minimi, vnd noch vil plinder.
Dise haben wol ainen Namen,
Vnd stimmen doch noch nicht zusammen,
Dan sie drumb zanken vnd sich schlagen,
Was fur Schuh Franz hab angetragen:
Dem ainen der Holzschuh gefallt,
Der ander es mit Leder halt.
Der mit der Geltpuchs darvon trott,
Der ist aus der Collecter Rott,
Die Gelt samblen zu Klosterbauen,
So doch Franz kain Gelt an wolt schauen.
Item, dort tragen zwen das Bruch,
Den Bettelsack vnds Hosentuch;
Der ain ist vom Frolichen Orden,
Welcher Gaudentes gnent ist worden;
Der ander ist von Augustinis,
Ist baider Regul vngewis.
Die Strumpf sie an den zahen stummeln
Damit die faule Fus nicht schimmeln,
Vnd schneiden oben noch darzu
Trei Schornstainlocher inn die Schuh.
Noch zihen zwen Knopf dort di Corden:
Der ain ist Reformater Orden,
Der ander ain Conventual,
Die zanken vmb den strick zumal:
Der ain will zwolf knopf an seim Sail,
Der ander vngrad fur sein thail.
Aber, Holla, wa wolt jr lasen
Braudern Nas mit der Naschigen Nasen,
Der auf aim Gaisbock her postirt,
Damit die Spatzenzunft er zirt,
Vnd ausbracht dise haimlichkait
Von seiner Monchischen ainigkait?
(Dan jm zu lib, dem Predigspatzen,
Mubt man den Spatzenhaz furkratzen,
Vnd wann man merkt, das er jm gfallt,
Den Schwalwenkrig man jm noch bhallt.)
Er hat dannoch Francisci Bruch
Vmbsonst nicht gschuzt, dan auf seim Buch
Seinen angstschwais er davon tragt,
Welchs doch dem hinter jm nicht schmackt,
Dem Alexander von Ales,
Der oft den Monchswust angreift ras.
Die Pabst, so kaufmansballen suchen,
Sind auch aus Franzen Bettelkuchen,
Aber nach dem sie Papst sint worden,
Han sie verschmacht den Bettelorden,
Vnd nichts vom Franzen bhalten mehr
Als Reichtumb, kaufmanschaz vnd ehr,
Welches doch Sant Franz vbergab,
Da er den Kaufmansstand legt ab.
Drumb lasen sie dort ligen strack
Das harin Hemd vnd Bettelsack,
Vnd lehren dispensiren drumb
Des Franzen Evangelium.
Inn dem der Monch dis obgesezt
Mit dem Man auf dem Lattner schwezt,
Ruft ainer lachend vber laut:
“Sih, ligstu hie, du schone Braut!
Thun dir das deine Rottgesellen,
So sei jr Abt der inn der Hollen.”
Von diser Prediger-stimm vnd lachen
That aus dem Schlaf der Man erwachen,
Welchem vorkommen war dis gsicht,
Wiwol er gern het gfragt bericht
Den Monch, wer das gschrai doch macht,
Jdoch er bei jm selbs eracht,
Das Dominicus, der Predigschwalw,
Seie dis schreiend Merzenkalw,
Dan Prodiger-Monch, die Schwalwenpruder,
Sint Barfusern, den Spatzen, zuwider.
Dis ist die Summ vom Kuttenstreit,
Wer aber solchs begeret weit,
Der finds auch nach der lang im truck,
Vnd ain ganz Buchlin von dem stuck.

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