Українська та зарубіжна поезія

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Schau’ ich in die tiefste Ferne

Schau ich in die tiefste Ferne
meiner Kinderzeit hinab,
steigt mit Vater und mit Mutter
auch ein Hund aus seinem Grab.

Frohlich kommt er hergesprungen,
frischen Muts, den Staub der Gruft,
wie so oft den Staub der Strabe,
von sich schuttelnd in der Luft.

Mit den treuen braunen Augen
blickt er wieder auf zu mir,
und er scheint, wie einst, zu mahnen:
Geh’ doch nur, ich folge dir!

Denn in uns’rem Hause fehlte
es an Dienern ganz und gar;
doch die Mutter lieb mich laufen,
wenn er mir zur Seite war.

Besser gab auch keine Amme
je auf ihren Schutzling acht,
und er hatte scharf’re Waffen
und gebrauchte sie mit Macht.

Seine eig’nen Kameraden
hielt er mit den Zahnen fern,
und des Nachbars Katze ehrte
ihn von selbst als ihren Herrn.

Doch, wenn ich dem alten Brunnen
spielend nahte hinterm Haus,
bellte er mit heller Stimme
meine Mutter gleich heraus.

Er erhielt von jedem Bissen
seinen Teil, den ich bekam,
und er war mir so ergeben,
dab er selbst die Kirschen nahm.

Wie die beiden Dioskuren
brachten wir die Tage hin,
einer durch den andern glucklich,
jede Stunde ein Gewinn.

Macht’ ich nicht auch halb vom Tode
meinen treuen Pollux frei,
lieb ich’s nur, weil ich nicht ahnte,
dab ich selbst der Kastor sei.

Aber allzubald nur trubte
uns der heitre Himmel sich;
denn er hatte einen Fehler,
diesen, dab er wuchs, wie ich.

Und an ihm erschien als Sunde,
was an mir als Tugend galt,
da man mich ums Wachsen lobte,
aber ihn ums Wachsen schalt.

Immer grober ward der Hunger,
immer kleiner ward das Brot,
und der eine konnte essen,
was die Mutter beiden bot.

Als ich eines Morgens fragte,
sagte man, er ware fort
und entlaufen wie ein Hase;
doch das war ein falsches Wort.

Noch denselben Abend kehrte
er zu seinem Freund zuruck,
den zerbiss’nen Strick am Halse;
doch das war ein kurzes Gluck.

Denn, obgleich er mit ins Bette
durfte, ach, ich bat so sehr,
war er morgens doch verschwunden,
und ich sah ihn niemals mehr.

Ward er an die Eisenkette
jetzt gelegt von seinem Herrn,
oder fiel sein Los noch harter,
weib ich nicht, doch blieb er fern!

Schau’ ich in die tiefste Ferne
meiner Kinderzeit hinab,
steigt mit Vater und mit Mutter
auch ein Hund aus seinem Grab.

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Schau’ ich in die tiefste Ferne - FRIEDRICH HEBBEL