Українська та зарубіжна поезія

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Die Mitgift

Ich ging am grunen Berge hin,
Wo sich der Weih im Äther wiegt
Und reisemud der Sonnenstrahl
Ausruhend auf der Quelle liegt,
Wo wilde Rosen einsam bluhn,
Die Fohre hoch den Gipfel kranzt
Und druberhin noch eine Burg
Von weissen Sommerwolken glanzt.

Und wie in solcher Weihezeit
Der Herr der Welt schon zu mir trat,
Erschien er jetzo in des Bergs
Noch frisch ergrunter Eichensaat;
Der jungen Stamme schlanke Schar
Umschwankte sauselnd seine Knie,
So gross und herrlich ging er her
Vor meiner regen Phantasie!

Sein Haupthaar war wie Morgengold
Und wallte gar so reich und schwer,
Und in den klaren Augen ruht’
Ein atherblaues Liebemeer;
Ein Regenbogen gurtete
Sein Kleid mit edler Farbenlust;
Er trug ‘nen duftigen Blutenstrauss
Von jungen Linden an der Brust.

Es traf mich seiner Augen Licht
Wie wolkenlos ein Tag im Mai,
Und als er meinen Namen sprach,
Erhob mein Haupt ich stolz und frei.
Ich wuchs und rankte rasch empor,
Dass ich mir selbst ein Wunder schien,
Und wandelte mit leichtem Schritt
An Gottes hoher Seite hin.

Und nun erzahlte plaudernd ich
Dem Herrn mein irdisch Tun und Sein;
Doch alles dies besteht ja nur
In dir, du gutes Kind, allein!
Aus vollem Herzen sprach ich drum
Von dir, von dir die ganze Zeit;
Er aber spiegelt’ lachelnd sich
In meiner frohen Seligkeit.

Dann trug ich ihm auch klagend vor,
Wie ich so sehr ein armes Blut,
Und bat darauf um Haus und Hof,
Um Tisch und Schrein, um Geld und Gut,
Um Garten, Feld und Rebenland,
Um eine ganze Heimat traut,
Darin ich dich empfangen konnt’
Als myrtenschone Schleierbraut.

Es musste doch einmal geschehn,
Drum schilt mich nicht und werd nicht rot!
Hor’ an, was mir der Herr fur dich
Fur eine wackre Mitgift bot!
Er sprach: “Zu wenig und zu viel
Hast du verlangt, mein lieber Sohn!
Drum tu’ ich dir noch viel dazu
Und nehm’ ein wenig auch davon.

Nicht Haus und Hof verleih’ ich euch,
Doch meine ganze grosse Welt,
Darinnen ihr euch lieben konnt,
Wie’s euren Herzen wohlgefallt;
Zwei jungen Seelen ist zu eng
Das grosste Haus, sei’s noch so weit;
Doch finden sie noch eben Raum
In meiner Schopfung Herrlichkeit.

Der ganze Lenz soll euer sein,
So weit nur eine Blume bluht,
Doch nicht das allerkleinste Land,
Um das sich eine Hecke zieht.
Kein Prunkgetafel geb’ ich euch,
Kein Silberzeug, kein Kerzenlicht,
Weil sich ob Silberbronnenglanz
Goldstern an Stern zum Kranze flicht.

Und alles soll besonders bluhn
Fur euch und schoner, wo ihr geht,
Dieweil euch in mein Paradies
Ein eigen Pfortlein offen steht.
So fuhre deine junge Braut
Getrost in deine Wirtschaft ein,
Brautfuhrer soll mein lieblichster
Und allerschonster Fruhling sein!

Hofjungfer soll die Anmut sein
Bei deines Herzens Konigin,
Ihr hubscher flinker Page sei
Ein immergruner Jugendsinn!
Zum Haushofmeister geb’ ich euch
Ein unverganglich Gottvertraun,
Es ist ein klug erfahrner Mann,
Und Felsen durft ihr auf ihn baun!”

Ist unser Haus nicht gut bestellt
Und auserlesen das Gesind?
So zaudre nun nicht langer mehr
Und folge mir, du blodes Kind!
Ich glaub’, auf deinen Wangen spielt
Vom Morgenrot ein Widerschein:
Sobald die Sonn’ am Himmel steht,
Will ich als Freier bei dir sein.

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Die Mitgift - GOTTFRIED KELLER