Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Will ich dich doch gerne meiden

Will ich dich doch gerne meiden,
Gib mir nur noch einen Kub,
Eh ich sonst das Letzte leiden
Und den Ring zerbrechen mub.
Fuhle doch die starken Triebe
Und des Herzens bange Qual!
Also bitter schmeckt der Liebe
So ein schones Henkermahl.
Lab dich etwas Bessers kussen,
Alles gonn und wunsch ich dir;
Aber frag auch dein Gewissen,
Dieser Zeuge bleibet mir.
Lerne doch nur weiter denken:
Durft’ es dich auch einmal reun?
Durft’ auch mein verstobnes Kranken
Deines Ehstands Holle sein?
Sieh, die Tropfen an den Birken
Tun dir selbst ihr Mitleid kund;
Weil verliebte Tranen wirken,
Weinen sie um unsern Bund.
Diese zahrenvollen Rinden
Ritzt die Unschuld und mein Flehn,
Denn sie haben dem Verbinden
Und der Trennung zugesehn.
Dieses ruhrt die toten Baume,
Dich, mein Kind, ach, ruhrt es nicht;
Aber dab ich mich noch saume,
Da dein Scheiden gar nichts spricht,
Gonnt mir doch, ihr holden Lippen,
Eine kurze gute Nacht,
Eh der Traum an solchen Klippen
Mein Gemute scheitern macht.
Gute Nacht, ihr liebsten Armen!
Meiner Glieder Mudigkeit
Wird nicht mehr in euch erwarmen;
Ach, wie qualt die alte Zeit!
Gute Nacht, ihr schonsten Bruste,
Macht nun andre Hande voll;
Jetzo geh ich in die Wuste,
Wo mein Elend schlafen soll.
In den Waldern will ich irren,
Vor den Menschen will ich fliehn,
Mit verwaisten Tauben girren,
Mit verscheuchtem Wilde ziehn,
Bis der Gram mein Leben raube,
Bis die Krafte sich verschrein,
Und da soll ein Grab voll Laube
Milder als dein Herze sein.
Kann ich dich an Treu’ beschamen,
Will ich noch dein Konterfei
In dem Tod ans Herze nehmen,
Dab er recht beweglich sei;
Sieht es niemand von den Leuten,
Sieht es doch der Himmel an,
Der dich bei gelegnen Zeiten
Wohl damit noch strafen kann.
Wirst du einmal durch die Strauche
Halb verirrt spazierengehn,
Ei, so bleib bei meiner Leiche
Nur mit andern Augen stehn;
Zeige sie dem neuen Schatze,
Der dir das Geleite gibt,
Und vermeld ihm auf dem Platze:
Dieser hat mich auch geliebt.
Ach, wo bleibt ihr teuren Schwure?
Ach, wo ist dein treuer Sinn,
Den ich schmerzlicher verliere,
Als ich selbst geboren bin?
Nimm das letzte Sehnsuchtszeichen;
Nun, mein Kind, besinne dich!
Dieses kann dich nicht erweichen,
Nimm es und gedenk an mich.

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Will ich dich doch gerne meiden - JOHANN CHRISTIAN GUNTHER