Українська та зарубіжна поезія

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Lieder eines Sunders. 03. Trauer

Meine Seele ist traurig. . .
Warum bist du traurig, meine Seele?

Und sie spricht zu mir:
Vorьber ging ich mit dir
An rauschenden Wassern –
Und die rauschenden Wasser
Umsдumte die Siedlung
Thatfroher Menschen.

Mit der Sonne Emporglьhn
Traten hinaus sie
Aus ihrer Hьtten
Schmuckloser Enge –
Und tiefeinatmend
Des Morgens Sдuselwind,
Und des Tages Lichtstrahl
Mit freudvollem Blicke
Emsig begrьЯend,
Gingen sie heiter
Und guter Dinge,
Ruhvoll und kraftreich,
An ihr hartes Schaffen,
Das SchweiЯ und Schwielen
Gebiert, jedoch auch
Helle Gedanken
Und die Frucht des Frohsinns,
Die unvergleichlich.

Und wiederum ging ich
Mit dir hinauf,
Sprach meine Seele,
Zu Bergesgipfeln.

Und ich ward so heiter
Da mich der Hцh’nwind
Weidlich durchlьftet!
Wie dehnt’ ich mich doch
Und reckte mich weit
Und sog den Atem
Schrankenloser
Unendlichkeit!

Und Allen, die mir
Entgegentraten,
Lachte das Herz
Aus den hellen Augen,
DaЯ ich ihnen
Sehnsuchtsbeschwingt
Entgegenhьpfte. . .

Und sie boten
Mir GruЯ – und Einer
Lud mich zu rasten –
Lud mich zu bleiben:
“Gelt! Es war’ schцn doch,
Blieben wir immer
Und ewig zusammen!”

Aber wieder
RiЯ ich mich los
Und der Vergangenheit
Schmerzensreichem
MьhenschooЯ,
Der mich gewirket,
Gab ich mich wieder.

O! Unerbittlich
In seiner Zukunft
Ist das Gewesene!

Es fraЯ sich in mich
Und gebiert sich fort
Und haftet immer!

Nimmer! O nimmer
Lehrt mich des Fischers
Oder des Schiffers
Beengtes Trachten
Grenze und MaaЯ –
Stьrmisch Verachten,
Emsig Vergessen
Alles dessen,
Was ich im Grunde doch – nie besaЯ!

Nimmer! O nimmer
Lehrt der hellдugige
Sohn mich der Berge
Frohe Gemeinschaft,
Eintrдchtige Spur
Mit der Natur. . .

Den Wьrzhauch des Wassers
Und den stдhlenden
Atem des Bergwinds
MuЯ ich missen. . .

Ich fьhlte zu tief –
Und ich dachte zu viel –
Und all mein Wissen,
Mein himmeldurchstьrmendes
Feuriges Fьhlen,
Das nie sich genug,
Erfьllt den Fluch,
Den es umschooЯt,
Und giebt mir zum Ende –
Zum letzten Ende
Als heiteren Trost
Doch nur ein – bitterhartes Sterbekissen.

Und vorher hat es
Mein Leben vergiftet!

So sprach meine Seele.
Und sie trauerte weiter. . .
Und nimmermehr forscht’ ich:
Warum bist du so traurig, meine Seele?

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Lieder eines Sunders. 03. Trauer - HERMANN CONRADI