Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Lieder eines Sunders. 48. Oft schweif ich

Oft schweif’ ich durch der Menschen Reihen hin
Und spьre Keinen. . .
Ahne traumumflirrt nur,
Wie ein gewaltig Chaos mich umbraust,
Wie ein verwirrtes Tцnen zu mir ruft,
Gleich Stimmen, die von fernen Inseln kommen. . .

Ich spьre Keinen –
Und ob Freund, ob Feind
An mir vorьbertreibt:
Ich weiЯ es nicht. . .
Wie Schatten hastet’s hin –
Verhдngt ist mein Gesicht,
Entrьckt mein Sinn. . .

Dann sing’ ich leise Lieder fьr mich hin,
Die Niemand sang bis heute. . .
Was dieser schweren Weisen Gang
Bedeute –
Kaum klдrt sich’s mir. . .

Mit Wesen sprech’ ich,
Die noch ungeboren –
Sich noch verloren
In Ewigkeiten, schrankenlosen,
Unvergleichbar
Irdischen Loosen,
Unerreichbar
Fьr MenschenmaaЯ. . .

Was ich besaЯ –
Was ich besitze,
Mir zugeeignet
Wachend bewuЯt:
Liegt ьberflutet
Wie vom Vergessen
Mдrchenversunken
Tief in der Brust. . .

Aber die Stimmen, die geheimniЯvollen,
Die verschollen
Im Wachsen und Reifen,
Tцnen herauf,
Und sie begreifen
Nach eigener Satzung
Eine eigene Welt. . .
Die sich entwirkend
Mich dem SchooЯe
Alles Entstehens
Ahnend gesellt. . .

Urworte denk’ ich,
Und ich versenk’ mich
In den Strudel der Kraft,
Die sich entfaltend
Alles gestaltend
Zum Wandel schafft. . .

Selbst ich entrolle
Bemessener Scholle
Zum Urborn des Seins,
Und es verliert sich,
Was nur gebiert sich,
Als Schatten des Scheins. . .


Lieder eines Sunders. 48. Oft schweif ich - HERMANN CONRADI