Українська та зарубіжна поезія

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Lieder eines Sunders. 56. Nicht mit Trauben

Nicht mit Trauben, nicht mit Rosen
Ward die Laute mir umwunden –
Nicht zum Reigen, nicht zum Kosen
Hab’ ich Ton und Wort gefunden.
Was die Seele mir erfьllt hat,
Klang mir aus Gewitterpsalmen,
Und mein brennend Weh zermalmen
Konnte nur, was sich enthьllt hat. . .

Nicht mit Scherzen, federleichten,
Hab’ ich mir die Welt verschдndet –
Zu den Armen, Gramgebleichten,
War mein Sinnen hingewendet.
Und ich sah in ihre Augen,
Zorn und Trauer tief im Herzen, –
Und ich las von ew’gen Schmerzen,
Die zu lust’gem Spiel nicht taugen. . .

Und ich saЯ an ihren Lagern:
Klappernd wдlzten sich zur Seite
Tod und Schande – mit den magern
Fдusten ringend um die Beute!
Um die Beute: Dьrre Glieder –
Mьrbe, notzerfressne Knochen –
Da hat es mich jдh durchstochen:
Die Verzweiflung hob die Lider!

Und ich sah ein fruchtlos Mьhen
Aller Besten jede Stunde –
Hellster Flammen bleich Verglьhen –
Und am Trotzigsten die Wunde,
Die ein groЯes Streben schlдgt,
Das sich bricht in engen Schranken:
Alles GroЯe muЯ verkranken – –
Ich begriff es tiefbewegt. . .

Nur das Leichte hдlt sich oben,
Saugt des Lichtes дrmste Stдubchen –
Doch der mit der Kraft verwoben,
Scheucht des Frohsinns Turteltдubchen,
Denn er hцrt der Rдder Stцhnen
Und des Mьhwerks krampfhaft Beben –
Und das Ohr sich zu verkleben,
Ist fьr ihn noch kein Versцhnen.

Nicht mit Trauben, nicht mit Rosen,
Ward die Laute mir umwunden –
Nicht zum Reigen, nicht zum Kosen
Hab’ ich Ton und Wort gefunden. . .
Was die Seele mir erfьllt hat,
Klang mir aus der Krдfte Fehden –
Ja! Und einen Traum von Eden
Gab mir nur, was sich enthьllt hat.

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Lieder eines Sunders. 56. Nicht mit Trauben - HERMANN CONRADI