Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Cantata

Dein Abschied, werther Freund, erfodert dieses Blat,
Das Phoebus Lorbeerbaum zwar nicht getragen hat;
Doch wirstu meiner Pflicht ein holdes Auge schencken,
So soll auch allezeit an seinen Jachmann dencken

Johann Christian Gunther Stregensis, A. A. L. L. Cul – tor.

Recitat.

Ihr Musen, steigt von eurer Hoh,
Ihr Pierinnen, steigt von dem Parnab hernieder,
Bringt eure suben Lieder,
Bringt sie unsern Granzen wieder.
Es hindert euch kein Schnee,
Die Tyranney
Des Winters geht vorbey,
Sie ist entwichen,
Sie ist verstrichen,
Und wir sind frey
Von ihrer Sclaverey.
Wohlan!
Ihr Tochter Jovis seht, was eure Flothe kan:
Die Nachtigall
Beuth euch aus Eifersucht
Durch ihrer Stimme Schall
Und Singen einen Wettstreit an.
Ich hore schon, wie sie dem Tereus flucht,
Ich hore sie der Schwester Herzeleid
In den verjungten Haynen
Beklagen und beweinen.
Doch unter solcher Traurigkeit
Vergibt sie nicht der Zeit,
Vergibt sie nicht der schonen Zeit,
Wo Chloris Blumen streut.
Ihr wohlberedter Mund
Thut den Jagern in den Waldern,
Thut der Ceres auf den Feldern,
Macht den Wald – und Wabernymphen,
Macht der Syrinx in den Sumpfen
Die gute Botschaft kund,
Der Fruhling sey fast nah,
Der Fruhling sey schon da!

Aria.

Erwuntschten Fruhlingstage,
Ihr Bothen meiner Ruh!
Last mich im Grunen liegen
Und bringet mir Vergnugen
Und bringt mich selbst darzu,
Dab ich noch einmahl sage:
Erwuntschten Fruhlingstage,
Ihr Bothen meiner Ruh!

Recitat.

Die warme Luft
Hat die Vogel aus der Kluft,
Hat die Tauben von den Dachern,
Hat die Tauben aus den Lochern
In das freye Feld geruft,
Da wo der Flora Kub
Den verliebten Zephyrus,
Der gegen sie vor Liebe brennt,
Der sie vor seinen Schaz erkennt,
Der sie der Schonheit Ausbund nennt,
Mit Wollustthau benezen mub.
Er aber bindet ihre Schoos
Von der Gefangenschaft der Nordenwinde los.
Er last sie auf den bunten Auen
Die Pfander seiner Treu,
Die Zeugen seiner Leckerey,
Die Kinder seiner Liebe schauen.
Ach Flora, spricht er, deine Pracht,
Ach Schonste, rufet er, dein Gang
Hat viele Buhler kranck,
Hat viele Buhler frisch gemacht,
Hat vielen Buhlern schon das Leben
Genommen und gegeben.

Aria.

Ermuntert euch, ihr bloden Sinnen,
Und macht euch in das Blumenfeld!
Die Erde geht nicht mehr im Leide,
Drum schickt die Augen in die Weide,
Drum last die Seele Luft gewinnen,
Zerreibt, was sie gebunden halt.
Da Capo.

Recitat.

Ach aber, ach, vergallte Fruhlingslust,
Die meiner Brust
Nichts als lauter Weh gebiehret,
Nichts als alles Wohl entfuhret.
Durch den Verlust
Wird erst der Sachen Werth gefunden,
Und wenn der Schaz verschwunden,
So zeiget erst die Zeit
Debelben Kostbarkeit.
Ein Freund,
Der es nicht anders sagt als meint,
Ist so gemein als wie ein schwarzer Schwan
Und wie die Raben,
Die weibe Flugel haben.
Trift man bisweilen gleich dies rare Wildpret an,
So fangt man doch dergleichen Vogel selten,
Und wenn wir hundert Neze stellten,
So gehn sie doch niemahls zu Paaren ein.
Ich mub gewis ein Sohn der weiben Henne seyn,
Weil des Gluckes Sparsamkeit
Seine Huld an mir verschwendet
Und mir, was Zehne oft zu suchen fleibig sind,
Dab es der Eilfte doch nicht findt,
Mein Jachmann jezt durch dich gewahret.
Ach aber, ach, zu fruh gekraht,
Der Ausgang lehrt zu spat,
Dab, wenn des Gluckes Sonne brennet,
Ein Ungewitter sich errege.
Ich fuhle schon die harten Schlage,
Wodurch des Himmels Neid
Und der Schickung Grausamkeit
Mich von meinem Freunde trennet.

Aria.

Verdrieblicher Fruhling, verhaster April!
Dein strenges Geschicke
Macht, dab mich das Glucke
Der edelsten Freundschaft entledigen will.
Verdrieblicher Fruhling, verhaster April!

Recitat.

Geh, Bruder, geh,
Dein Gang thut mir
In meinem Herzen weh
Und in der Seele bange,
Jedoch es wahrt nicht lange,
So komm ich bald zu dir,
So kommstu bald zu mir.
Wer so wie du den Fruhling seiner Jugend
Nicht mubig zugebracht,
Dem hat die Arbeit Ruh,
Die Last oft Lust gemacht.
Die Ehre folgt der Tugend,
Sie giebt sich dir auch zum Gefehrten an,
Drum mache, dab ich bald an deinen Doctorhut
Ein Carmen heften kan.
Der Umgang und die Zeit
Hat schon in unser Blut
Die Freundschaft eingeschrieben,
Verweise nur nicht die Vertrauligkeit
Und hore niemahls auf, mich auch entfernt zu lieben!

Aria.

Der Abschied ist genommen,
Doch nicht in Ewigkeit,
Doch nur auf kurze Zeit,
Doch nur aufs Wiederkommen.
Da Capo.

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Cantata - JOHANN CHRISTIAN GUNTHER