Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Sit illi terra levis!

So sonder Arg hast du in diesem Leben
Mich deinen allerbesten Freund genannt,
Hast mir so oft gereicht die hagre Hand, –
Hab’ ich gelachelt, mag mir Gott vergeben.
Die Schlange wacht in jedes Menschen Brust,
Was ich dir bot, es war doch treue Gabe,
Und hier bekenn’ ich es, an deinem Grabe,
Du warst mir lieber als ich es gewubt.

Ob ich auch nie zu jenen mich gesellte,
Die lachend deine Einfalt angeschaut;
Des Hauptes, das in Ehren war ergraut,
Verhohnung immer mir die Adern schwellte,
Doch erst, wo aller Menschen Witz versiegt,
Ein armer Tropfen in Ägyptens Sande,
Hier erst erkenn’ ich, an der Seelen Brande,
Wie schwer des Auges warme Trane wiegt.

Sah ich sie nicht an deine Wimper steigen,
Wenn du dem fremden Leide dich geeint?
Hast du nicht meinen Toten nachgeweint,
So heib, wie deines eignen Blutes Zweigen?
O! wenn ich in der Freude des vergab,
Mit bitterm Herzen mub ich es beklagen;
Denn, von des Schicksals harter Hand geschlagen,
Wie gern ich dann in deinem Auge las!

Noch seh’ ich dich im Hauch des Winterbrodems
Herstapfen, wie den irren Heidegeist,
Wenn Tropf’ an Tropfen deiner Stirn entfleubt,
Hor’ noch das Keuchen deines armen Odems.
Es waren schlimme Wege, rauh und weit,
Die du gewandelt manche Winterwende,
Um des Altares heil’ge Gnadenspende
Zu tragen mir in meine Einsamkeit.

O, manchem Spotter gabst du ernst Gedenken,
Wenn hohnend deine kleine Hab’ er pries,
Fur schlechtes Ding dir Tausende verhieb,
Und du nur glucklich warst, ihn zu beschenken!
So wert war dir kein Gut, so ehrenreich,
Dab du es nicht mit Freuden hingegeben!
Dann sah man deine Lippen freundlich beben
Und zucken wie das Dammerlicht im Teich.

An deinem Kleide, schwarz und fadenscheinend,
War jeder Fleck ein heimlich Ehrenmal,
Du frommer Dieb am Eignen! ohne Wahl
Das Schlechteste dir noch genugsam meinend.
Mann ohne Falsch und mit der offnen Hand,
Drin wie Demant der Witwe Heller blinken,
Sanft soll der Tau auf deinen Hugel sinken,
Und leicht, leicht sei dir das geweihte Land!

Schlaf sanft, schlaf still in deinem grunen Bette,
Dir uberm Haupt des Glaubens fromm Symbol,
Die Welt vergibt, der Himmel kennt dich wohl,
Ein Engel wacht an dieser schlichten Statte.
Auch eine Trane wird dir nachgeweint,
Und wahrlich keine falsche: “Ach sie haben,
Sie haben einen guten Mann begraben,
Und mir, mir war er mehr” – mein warmster Freund!

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Sit illi terra levis! - ANETTE VON DROSTE-HUELSHOFF