Українська та зарубіжна поезія

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Der Aufbruch Die Rast – Gratia divinae pietatis

Zuletzt, da alles Werk verrichtet, meinen Gott zu loben,
Hat meine Hand die beiden Frauenbilder aus dem Stein gehoben.
Die eine aufgerichtet, frei und unerschrocken –
Ihr Blick ist Sieg, ihr Schreiten glanzt Frohlocken.
Zu zeigen, wie sie freudig uber allem Erdenmuhsal throne,
Gab ich ihr Kelch und Kreuzesfahne und die Krone.
Aber meine Seele, Schonheit ferner Kindertage und mein tief verstecktes Leben
Hab ich der Besiegten, der Verstobenen gegeben.
Und was ich in mir trug an Stille, sanfter Trauer und demutigem Verlangen
Hab ich sehnsuchtig uber ihren Kinderleib gehangen:
Die schlanken Huften ausgebuchtet, die der lockte Gurtel halt,
Die Hugel ihrer Bruste zartlich aus dem Linnen ausgewellt,
Lieb ihre Haare uber Schultern hin wie einen blonden Regen flieben,
Liebkoste ihre Hande, die das alte Buch und den zerknickten Schaft umschlieben,
Gab ihren schlaffen Armen die gebeugte Schwermut gelber Weizenfelder, die in Julisonne schwellen,
Dem Wandeln ihrer Fube die Musik von Orgeln, die an Sonntagen aus Kirchenturenquellen.
Die suben Augen mubten eine Binde tragen,
Dab ruhrender durch dunne Seide wehe ihrer Wimpern Schlagen.
Und Lieblichkeit der Glieder, die ihr weiches Hemd erfullt,
Hab ich mit Demut ganz und gar umhullt,
Dab wunderbar in Gottes Brudernahe
Von Niedrigkeit umglanzt ihr reines Bildnis stehe.


Der Aufbruch Die Rast – Gratia divinae pietatis - ERNST STADLER