Українська та зарубіжна поезія

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Der Aufbruch Die Rast – Herrad

Welt reichte nur vom kleinen Garten, drin die Dahlien bluhten, bis zur Zelle
Und durch die Gange nach dem Hof und fruh und Abends zur Kapelle’
Aber unter mir war Ebene, ins Grun versenkt, mit vielen Kirchen und weib bluhenden Obstbaumen,
Hingedrangten Dorfern, weit ins Land geruckt, bis ubern Rhein, wo wieder blaue Berge sie umsaumen.
An ganz stillen Nachmittagen meinte man die Stimmen von den Straben heraufwehen zu horen, und Abends kam Gelaute,
Das hoch den blau ziehenden Rauch der Kamine uberflog und mich in meinem Nachsinnen erfreute.

Wenn dann die Nacht herabsank und uber meinem Fenster die Sterne erglommen,
War eine fremde Welt aus Buchern auf mich hergesenkt und hat mich hingenommen.
Ich las von Torheit dieser Welt, Bedrangnis, Spaben, Trug und Leiden,
Fromme Heiligengeschichten, grausenvoll und lieblich, und die alte Weisheit der Heiden.
Sinnen und Suchen vieler Menschenseelen war vor meine Augen hingestellt,
Und Wunder der Schopfung und Leben, das ich liebte, und die Herrlichkeit der Welt.

Und ich beschlob, all das Krause, das ich seit so viel Jahren
Aus Buchern und Wald und Menschenherzen und einsamen Stunden erfahren,
Alles Gute, das ich in diesem Erdenleben empfangen,
Treu und kunstlich in Bild und Schrift zu bewahren und einzufangen.
Spater, wenn die Augen schwacher wurden, in den alten Tagen,
Wurd ich in meiner Zelle sitzen und ubers Elsab hinblicken und mein Buch aufschlagen,
Und meiner Seele sprangen wie am Heiligenquell im Wald den Blinden Wunderbronnen,
Und still ergieng ich mich und lachelnd in dem Garten meiner Wonnen.


Der Aufbruch Die Rast – Herrad - ERNST STADLER