Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Ihr Auge



Ich weib wo einen Bronnen
Voll hellem Himmelstau,
Es glanzt der Strahl der Sonnen
Aus seines Spiegels Blau;
5
Er ladet klar und helle
Zu suber Wonne ein,
Es winkt aus seiner Quelle
Der Sonne milder Schein.

Mir war, als sollte drunten
10
In seiner klaren Flut
Das arme Herz gesunden
Von seinem bangen Mut.
Ich tauchte freudig nieder
Ins klare Blau hinab,
15
Mein Herz, das kam nicht wieder,
Fand in dem Quell sein Grab.

Kennst du den suben Bronnen
So klar und silberhell?
Kennst du den Strahl der Sonnen
20
Aus seinem blauen Quell?
Das ist des Liebchens Auge,
Ihr suber Silberblick, –
Aus seiner Tiefe tauche
Ich nie zum Licht zuruck.

An die Freiheit 1823

Was mir so leise einst die Brust durchbebte,
Als ich zuerst zum Jungling war erwacht,
Was sich so hold in meine Traume webte,
Ein lieblich Bild aus mancher Fruhlingsnacht;
5
Und was am Morgen klar noch in mir lebte,
Was dann, zur lichten Flamme angefacht,
Mit kuhner Ahnung meine Seele fullte –
Es waren nur der Tauschung Luftgebilde?

Was ich geschaut im groben Buch der Zeiten,
10
Wenn ich der Volker Schicksal uberlas,
Was ich erkannt, wenn ich die Stemenweiten
Der Schopfung mit dem trunknen Auge mab,
Was ich gefuhlt bei meines Volkes Leiden,
Wenn sinnend ich am stillen Hugel sab –
15
Ich fuhle es an meines Herzens Gluhen,
Es war kein Traumbild eitler Phantasien!

Du, stille Nacht, und du, o meine Laute!
Nur euch, ihr Trauten, hab ich es gesagt;
Ertont’s noch einmal, was ich euch vertraute,
20
Erzahlt’s dem Abendhauch, was ich geklagt,
O sagt’s ihm, was ich fuhlte, was ich schaute,
Und was mein ahnend Herz zu hoffen wagt:
O Freiheit, Freiheit! dich hab ich gesungen,
Und meiner Ahnung Lied hat dir geklungen!
25
Die mude Sonne ist hinabgegangen,
Der Abendschein am Horizont zerrinnt,
Doch du, o Freiheit, spielst um meine Wangen,
Stiegst du hernieder mit dem Abendwind?
Nach dir, nach dir ringt heiber mein Verlangen,
30
Ich fuhl’s, du schwebst um mich, so mild, so lind –
O weile hier, wirf ab die Adlerflugel!
Du schweigst? du meidest ewig Deutschlands Hugel?

Wohl lange ist’s, seit du so gerne wohntest
Bei unsem Ahnen in dem dustern Hain;
35
Dunkt dir, wie gern du auf den Bergen throntest
Vom eis’gen Belt bis an den alten Rhein?
Mit Eichenkranzen deineSohne lohntest?
Das schone Land soll ganz vergessen sein?
Noch denkst du sein; es wird dich wiedersehen,
40
Wird auch dein Geist dann langst mein Grab umwehen.

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Ihr Auge - WILHELM HAUFF