Українська та зарубіжна поезія

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Von Gluckes Zufall

Der ist ein Narr, der hochauf steigt,
Dab seine Scham der Welt er zeigt,
Und sucht stets einen hohern Grad
Und denkt naicht an des Gluckes Rad.
Was hochauf steigt in dieser Welt,
Gar plotzlich oft zu Boden fallt.
Kein Mensch so hoch hier kommen mag,
Der sich verehibt den kunftgen Tag,
Und dab er Gluck dann haben will,
Denn Klotho halt ihr Rad nicht still,
Oder den sein Reichtum und Gewalt
Vorm Tod einen Augenblick erhalt.
Wer Macht hat, der hat Angst und Not,
Viel sind um Macht geschlagen tot.
Die Herrschaft hat nicht langen Halt,
Die man mub schirmen mit Gewalt.
Wo keine Lieb und Gunst der Gewalt.
Wo keine Lieb und Gunst Gemein’,
Da ist viel Sorge – und Freude klein.
Es mub viel furchten, wer da will,
Dab ihn auch sollen furchten viel.
Nun ist die Furcht ein schlechter Knecht,
Soe kann nicht lange huten recht.
Wer innehat Gewalt, der lerne
Liebhaben Gott und ehr ihn gerne.
Wer Gerechtigkeit halt in der Hand.
Des Macht kann haben gut Bestand;
Des Herrschaft war wohl angelegt,
Und dessen Tod man Trauer tragt.
Weh dem Regenten, nach des Tod
Man sprechen mub: “Gelobt sei Gott!”
Wer einen Stein walzt auf die Hoh’,
Auf den fallt er und tut ihm weh,
Und wer vertrautet auf sein Gluck,
Fallt oft in einem Augenblick zuruck.


Von Gluckes Zufall - SEBASTIAN BRANT