Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Nach blutigen Wochen

Wenn ihr mit starrendem Entsetzen schauet,
Wie alle Schranken, die ihr aufgebauet,
Die Fauste blut’gen Frevels niederbrechen,
Ohn’ Furcht vor eurem Rasen, eurem Rachen,
Dann rufet “Mord” ihr durch die stillen Gassen,
Ihr wibt euch nicht zu sammeln, nicht zu lassen
Und glaubt, der Zeiten letzter Tag beginnt!
Seid ihr denn blind?

So war’s gewesen noch zu allen Zeiten,
So wird es immer sein, so oft zu streiten
Der Ueberflub – der fur die Hundert zehret
Und diesen auch das Notigste verwehret –
Und Armut – die an ihren welken Brusten
Nicht nahret mehr als brennend’ Nachgelusten –
Den letzten, heibergrimmten Kampf beginnt.
Seid ihr denn blind?

Ihr seht die wilde Jagd nach dem Genusse,
Die Scharen knirschend unter ihrem Fube,
Und uber dem Gewirre, dem Gehaste,
Gleich einem Blitz, erlischt mit jahem Glaste,
Wie einst in Romas gotterlosen Tagen,
Das heil’ge Pflichtgefuhl, das ernst’ Entsagen,
Dab keiner sich darauf zuruckbesinnt.
Seid ihr denn blind?

Was man von Lieb’, der ihr beruhmt euch heute,
In dieser Zeiten durft’ge Schollen streute,
Das fabt sich zwischen zweien Fingerspitzen,
Manch Korn bleibt noch an feuchter Pore sitzen, –
Doch Hab, den streuet man mit vollen Handen!
Was fraget ihr, wie solches Thun mag enden
Und wie der finstre Damon Macht gewinnt?
Seid ihr denn blind?

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Nach blutigen Wochen - LUDWIG ANZENGRUBER