Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Die Naherin

Du sitzest in dem Kammerlein
Bei blendend grellem Lampenschein
Und fuhrst die Nadel als die Waffe,
Die Brot im Daseinskampf dir schaffe.
Ein Voglein atzest du mit Krumen,
Es teilt mit dir die dumpfe Luft,
In Topfen ziehst du deine Blumen,
Ein wenig Sang, ein wenig Duft
Erfreuet dich im engen Raum,
Wo der Maschine emsig Schnurren
Dich wiegt in gleichgemuten Traum.
Und du ertragst es ohne Murren
Und weinst nur wenig stille Thranen,
Wenn alles, was du magst ersehnen,
Den Weg zu andrer Hauser sind’t.
Du rustest reicher Leute Kind
Zum Ballfest jene pracht’ge Robe,
Die seinen Frauenreiz erprobe;
Du fertigst, kaum nach einem Jahr,
Das Kleid zum Gang vor den Altar
Und bald zu aller Freuden Fulle
Des Tauflings banderreiche Hulle.
Verengert sich der kleine Kreis
Der Leute, die dir nah’, doch fremd,
Dann nahest du mit gleichem Fleib
Am Trauerkleid und Totenhemd,
Und von der Wiege bis zum Sarg
Entlohnt man dir die Muhe karg.
Die Tritte, die das Rad geschnellt,
Gerechnet all zu Haufen,
Sie fuhrten dich ans End der Welt,
Doch lassen nicht der Not entlaufen.
So lebst du Jahr’ fur Jahre gleich,
Es ruhrte deine Wange bleich
Nur selten freier Lufte Hauch,
Und wenn dereinst man dich begrabt,
Wofur du wohl gelebt?
Weibt du es auch?

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Die Naherin - LUDWIG ANZENGRUBER