Українська та зарубіжна поезія

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Mein Engel

Ich sab im lieben, trauten Stubchen,
grad als der Tag dem Abend wich.
Mein kleines, subes Herzensbubchen
schlang seine Ärmchen warm um mich.
Da strich, nicht etwa von der Sonne,
an uns vorbei ein lichter Schein,
und ich gedachte voller Wonne:
“Das wird des Kindes Engel sein!”

Ich wachte an dem Krankenlager.
es war so duster in dem Raum!
Der Leidenden Gesicht so hager;
man unterschied die Zuge kaum.
Wir beteten; da plotzlich legte
sich um ihr Haupt ein lichter Schein,
der den Gedanken in mir regte:
“Das wird der Kranken Engel sein!”

Er stand vor mir im halben Dunkel,
die Klinge in der Faust bereit;
des Aug’s verraterisch Gefunkel
gab mir zum Weichen nicht mehr Zeit.
Da, als er auszuholen wagte,
flob zwischen uns ein heller Schein;
es sank die Hand; ich aber sagte:
“Das wird vielleicht dein Engel sein!”

Es lag die Bibel aufgeschlagen,
und der Verleumder stand dabei,
um auf das heilge Buch zu sagen,
dab seine Luge Wahrheit sei.
Da war ein fremder Ton zu horen,
wie uberirdisch, warnend, fein.
Der Mann schrie auf: “Ich will nicht schworen,
denn das, das wird mein Engel sein!”

Bin ich dereinst bereit zum Scheiden,
und ihr steht weinend um mich her,
so mag es Trostung euch bereiten,
dab ich zuruck zum Vater kehr.
Habt Acht auf einen lichten Schimmer;
auf einen Ton, ersterbend lind,
und trifft es ein, so zweifelt nimmer,
dab dies dann meine Engel sind!

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Mein Engel - KARL MAY