Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







An die Eltern

Vater! zwinget eure Kinder
Nie zum Lernen solcher Kunste,
Die sie nicht erlernen wollen.
Labt die Kinder selber wahlen,
Lobt und leitet ihre Neigung;
Sonst erlebt ihr, wie mein Vater,
Ungluck an den besten Kindern.
Jetzo wird er selber sagen:
Vater, zwingt doch keine Kinder! –

Ich, sein Sohn, ward auch gezwungen;
Aber hat es was gefruchtet?
Erst sollt’ ich im schwarzen Kleide
Schwere Seelensorgen lernen,
Weil es meine Mutter wollte;
Doch es rettete mein Vater
Mich von solchen schweren Sorgen,
Und da sollt’ ich, wider Willen,
Sorgen lernen fur den Korper;
Aber es erfuhr mein Vater,
Dab ich lieber gar nichts lernte.
Endlich nahm er mich bei’m Arme,
Fuhrte mich zum Rechtsgelehrten,
Und ermahnt’ ihn, dab ich’s horte:
“Vetter, lehre diesen rechten,
Halt’ ihn scharf und gib ihm Akten!”
Hurtig gab sie mir der Vetter.
Kopfen, Hangen, Peitschen, Radern
Sollt’ ich aus den Akten lernen.
O, wie habt’ ich dieses Handwerk!
O, wie wunscht’ ich oft aus Unmuth
Meinen Lehrer hin zum Kuckuck,
Wenn er mich mit Schriften qualte,
Welche Blut und Tod verlangten!
Gab er aber mir Prozesse
Von verlornen Liebesbriefen,
Von willkommnen Nachtgespenstern,
Oder sollt’ ich fur die Schonen
Ueber blode Manner klagen:
Gleich war Kopf und Feder fleibig;
Und mein Lehrer konnt’ es merken,
Dab ich nichts erlernen wurde,
Als die Handel der Verliebten;
D’rum verschafft’ er mir vom Richter
Lauter Handel der Verliebten.
Und nun ich in diesen Handeln
Ausgelernt bei meinem Lehrer,
Nun empfehl’ ich mich zum Richter
Und zum Anwalt aller Schonen!

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An die Eltern - JOHANN WILHELM LUDWIG GLEIM