Українська та зарубіжна поезія

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Bey einem ansehnlichen Hochzeitfeste in Leipzig

Kann denn Amors Nectarsee,
Auch in den gekurzten Tagen,
Mitten unter Frost und Schnee,
In verliebte Herzen schlagen?
Fuhlt denn auch, bey kalten Luften,
Der bereifte Theil der Welt,
Um den kalten Norderbelt,
Was der Venus Brand kann stiften?

Ja, die starrende Natur
Schlaft in Auen, Garten, Feldern;
Wer erblickt die mindste Spur
Suber Regung in den Waldern?
Bey den Fischen, Vogeln, Thieren
Scheinen alle Triebe todt:
Doch dieb machtige Geboth
Kann nur nicht die Menschen ruhren.

Nur der Mensch, die kleine Welt,
Will der groben widerstreben;
Weil er nichts von Regeln halt,
Will er stets in Freyheit leben.
Er verlacht, mit muntern Sinnen,
Kalte, Reif und Schnee und Frost;
Will der Liebe Gotterkost
Auch im Winter lieb gewinnen.

Hymens Fackel sonderlich
Kann auch kalte Herzen schmelzen;
Wenn gleich Sonn und Warme sich
Um den fernen Sudpol walzen;
Wenn gleich Lunens Silberstralen,
Bey gestirnter Himmelspracht,
Unsers Nordens langste Nacht
Mit dem kaltsten Glanze malen.

Liebste Schwester, werthe Braut,
Dich hat Amor auch bezwungen.
Hymens Fackel, wie man schaut,
Ist auch dir ins Herz gedrungen.
Deines Liebsten Ruhm und Gaben
Haben dich so stark entbrannt,
Dab sie deinen Jungferstand
Auch zuletzt geschmolzen haben.

Herbst und Sommer waren nicht
Tuchtig, dich zu uberwinden;
Auch kein warmes Fruhlingslicht
Konnte deine Brust entzunden.
Was nun keinem noch gelungen,
Kann dem Winter moglich seyn;
Da dein Liebster nur allein
Deine keusche Brust bezwungen.

Lachet dann bey eurer Glut,
Wenn der Frost die Erde ruhret;
Zeigt, dab euer heibes Blut
Stundlich neuen Zunder spuret.
Wenn die Flocken alles decken,
Seht es voller Flammen zu;
Und labt eure sube Ruh
Durch kein kaltes Luftchen schrecken.

Eilt zu Bette, werthes Paar!
Labt euch in der Lust nicht storen.
Eh noch dieb verjungte Jahr
Den verlangten Tag wird mehren;
Eh euch noch die fruhen Schatten,
Zeitiger den Flor entziehn;
Eh die spaten Sterne fliehn,
Konnt ihr euch was mehr verstatten.

Kunftig wird der Herbst gewib
Fruchte von dem Samen tragen,
Der, bey aller Hindernib
Dieser Jahrszeit, angeschlagen.
O! wie will ich mich vergnugen,
Wenn sich so mein Wunsch erfullt;
Dab man sieht des Vaters Bild
Von der jungen Mutter wiegen.


Bey einem ansehnlichen Hochzeitfeste in Leipzig - JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED