Українська та зарубіжна поезія

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Als der Verfasser sein Funfzigstes Jahr zurucklegte

Erhabner Schopfer aller Welt!
Die so viel Wunder in sich halt,
Als auf dem Erdball Thiere leben;
Als Sterne glanzen in der Hoh;
Als Korner hegt der Strand der See;
Als Staubchen in den Luften schweben.
Wie ungemein hat deine Macht
Dieb Meisterstuck hervor gebracht!

Wo waren Erde, Luft und Meer,
Wo aller Himmelslichter Heer,
Dafern sie nicht von Dir entsprungen?
Wer rief sie aus dem alten Nichts?
Wer schuff den Glanz des ersten Lichts,
Das durch die langste Nacht gedrungen?
Hast Du, o Gott! durch Deine Macht
Dieb alles nicht hervor gebracht?

Du warst ja schon von Ewigkeit,
Viel alter, als Natur und Zeit,
Ein unumschrankt beglucktes Wesen.
Du warst ja selig, auch allein!
Was brauchtest Du der Dinge Seyn,
Die Deine Weisheit sich erlesen?
Gebrach Dir was, als Dein Verstand
Den Weltbau schaffenswurdig fand?

O nein! o nein! aus Gute blob,
Hast Du die Welt, so schon, so grob,
So unermeblich dargestellet;
Wer zahlt der hellen Kugeln Zahl,
Daraus des regen Lichtes Stral,
Bey Nacht das Firmament erhellet?
Sie glanzen stets: wie wohl den Tag
Ihr Glanz nicht uberwinden mag.

Wer hing der Wandelsterne Lauf
In ungleich groben Hohen auf,
Und hieb sie um die Sonne flieben?
Wer wies doch jedem seinen Kreis,
So kraftig, dab sie Bahn und Gleis
Im Schwunge nicht verlassen mussen?
Da sonst, was sich mit Schleudern regt,
Den Mittelpunct zu fliehen pflegt.
Wer wies doch allen Achsen an,
Um die ihr Korper wirbeln kann,
Wie sich der Erdball selbst beweget?
Wer zeichnete den Angelstern
Dem einen nah, dem andern fern,
Von dem, der unsern Erdpol traget?
Der uns die Zeit von Tag und Nacht,
Zwar ungleich, doch bestandig macht.

O Schopfer! Deine Weisheit blob
Gab dort und hier den ersten Stob,
Davon die Kugeln seitwarts rollten;
Das machts, wenn sich der Erdball dreht,
Dab Lenz und Sommer erst entsteht,
Dann Herbst und Winter folgen sollten;
Indem die Nord – und Suderwelt,
Sich wechselnd nach der Sonne stellt.

Der heibe Weltstrich nicht allein,
Sollt reich an Thier und Pflanzen seyn,
Und stets von heiben Stralen schmelzen.
Nein! auch das Nord – und Suderland
War eignen Burgern zuerkannt;
Drum mub die Erde so sich walzen;
Dab jeder Theil zu seiner Zeit,
Durch grobrer Warme Kraft gedeiht.

Nicht kleiner ist der Kugeln Werth,
Die unsre Sonne noch verklart,
So nah und weit sie immer schweben!
Sie warmen sich an ihrem Licht,
Dem auch der Wechsel nicht gebricht;
Wie sollte kein Geschopf da leben?
Wie sollte nur die Erd allein,
An Thier und Menschen fruchtbar seyn?

Nein nein! umsonst lieb Gott gewib
Funf Kugeln, Licht und Finsternib,
In festgesetzter Zeit nicht fuhlen:
Umsonst schuff Er nicht Warm und Frost,
Fur Lander wo Er keine Kost,
Fur Thier und Menschen, wollt erzielen!
Wo Winter, Lenz, und Sommer ist,
Wird was beseeltes nicht vermibt.

O! Jupitern mub offenbar,
Der schonsten Monden doppelt Paar,
Nicht ganz umsonst die Nacht erfreuen!
Wo zundet wohl ein kluger Mann
In wusten Feldern Fackeln an,
Die Finsternisse zu zerstreuen?
O Schopfer! Deiner Weisheit Pflicht,
Thut wahrlich was vergeblichs nicht.

Der Erdkreis ist so reich bewohnt,
Doch glanzt ihm nur ein kleiner Mond:
Dort hast Du viere dran gewendet.
Saturn hat kaum an funfen gnug,
Davon der ungleich schnelle Flug
Sich in sehr kurzer Zeit vollendet;
Wer glaubt nun, dab ihr Silberlicht
Umsonst der Nachte Schatten bricht?

Und welch ein seltnes Wunderding
Ist dieses Irrsterns heller Ring,
Der rings umher in Luften schwebet?
Bald selber glanzt, bald dunkel macht;
Wenn er der hellen Monden Pracht
In seiner Schatten Flor begrabet.
Wer hieng ihn zum Saturnus auf?
Wie folgt er des Planeten Lauf?

O Wunderthater! Herr und Gott!
Wie unbesonnen ist der Spott,
Der Thoren, die Dein Thun nicht merken?
Des Schwarms, der Deine Hand nicht sieht,
Und sich voll Aberwitz bemuht,
Des blinden Zufalls Macht zu starken!
Der doch mit aller seiner Kraft,
Nur Abscheu und Verwirrung schafft.

Sagt! war der Zufall denn so klug,
Als er die Bahn des Mondes schlug,
Ihm so die feste Spur zu zeigen;
Dab er, wenn uns der Winter druckt,
Mit vollem Antlitz zu uns ruckt,
Den Norderhimmel zu besteigen;
Bey unsrer langsten Tage Pracht,
Am Sudpol helle Nachte macht?

Geh! schame dich, verirrte Zunft!
Die du mit blinder Unvernunft
Im Finstern tappst, wo Sonnen glanzen:
Siehst du denn nicht der Allmacht Kraft,
Die stets des Erdballs bestes schafft,
Wenn Sommer, Winter, Herbst und Lenzen,
Das ganze Volk bewohnter Welt,
Im Wechsel uberall erhalt?

Und war auch unser Silbermond
Nicht von Geschopfen reich bewohnt,
So mubt er uns bestandig leuchten.
Warum zeigt uns sein Angesicht,
Nicht allemal ein volles Licht,
Wenn Thau und Nebel ihn nicht feuchten?
Ist auch ein leerer Klump wohl werth,
Dab ihn die Sonn ringsum verklart?

Gieb Acht auf ihn! wie kehrt er sich
In Monatsfrist so ordentlich,
Nach dem beliebten Sonnenlichte!
Man sieht, dab er nach Warme strebt,
Und so wird er ringsum belebt;
Und nichts geht ihm vor Frost zunichte.
Dab auch sein Burger leben soll;
Drum scheint er uns nicht taglich voll.

Ein mindrer Grad Geschwindigkeit,
Konnt ihn mit uns in gleicher Zeit,
Um unsers Kreises Brennpunct fuhren.
So blieb er wohl ein Wandelstern;
Und dorfte doch, wie Mars, von fern,
Sein rundes Antlitz nie verlieren;
Auf unsrer Halfte voller Schein,
Auf jener ewig finster seyn.

Genug! die Weisheit schuff die Welt,
Die doch viel mehr noch in sich halt,
Als lauter Sonnen und Planeten.
Wo bleibt die ungemeine Zahl
Der durch den blassen Dunst und Stral,
Geschwanzt und bartigen Kometen?
Darauf, o Gott! Dein Allmachtruff,
Nicht minder Creaturen schuff.
Ihr seltner Lauf entruckt sie nur,
Auf einer langgestreckten Spur,
Viel Jahre durch, dem Blick der Erden.
Doch konnen sie, bald kalt, bald warm,
Durch Deiner Gute Vaterarm,
Wohl an Geschopfen fruchtbar werden:
Wenn selbst der Dampf, der uns erschreckt,
Sie vor der Sonnenhitze deckt.

Schon mehr als dreybig sind gezahlt,
Wo unsrer Sonne Licht nicht fehlt.
Wer weis? ob wir die Halfte kennen?
Wir wissen ja das Zehntheil kaum,
Von dem, was in des Himmels Raum,
Fur flammenreiche Kugeln brennen:
Die doch der Ausspruch kluger Welt
Schon langst fur lauter Sonnen halt.

Und wenn nun dieser Sonnen Heer,
Nicht mindern Welten dienstbar war,
Als unser Sonnenball belebet?
Wie grob wird da die Anzahl seyn,
Der Kugeln, die ihr blasser Schein,
In tiefer Himmel Nacht begrabet?
Ach! in wie vieler Welten Schoob,
Bist Du, o Gott! an Wundern grob!

Dich lobt der Korper grobe Zahl,
Die Du, mit tadelfreyer Wahl,
Aus ihrem alten Nichts gezogen.
Dich lobt der Geister freyer Mund;
Wird ihm Gesetz und Ordnung kund,
Darnach Du alles abgewogen.
Dich lobt, o Gott! Dein weites Reich:
Ja, Schopfer, Dir ist niemand gleich!

Bey so viel tausend Wundern nun,
Was ist der Mensch, und all sein Thun,
Dab Du, o Hochster! sein gedenkest?
Verdient ers, dab ihm Deine Hand
So manche Wohlthat zugewandt,
Womit Du stundlich ihn beschenkest?
War ers in seinem Nichts wohl werth,
Dab Du auch ihn zum Seyn begehrt?

Der trefflichsten Geschopfe Zier,
Viel tausend Geister dienen Dir,
Die dort in hohern Spharen wohnen.
Erhabne Seelen bebrer Kraft,
Von ungleich grobrer Eigenschaft,
Verehren Dich zu Millionen.
Wie konnen wir uns unterstehn,
Unendlicher! Dich zu erhohn?

Ist unsers Lebens langste Zeit
Vor Dir wohl einer Spanne breit?
Wahrt unser Hauch wohl wenig Stunden?
Fahrt unser Seyn nicht wie der Wind?
Denn eh ein dunner Rauch verschwindt,
Ist unser Odem schon verschwunden;
Vor Dir, o Gott, dem tausend Jahr
Ein Tag ja noch viel minder war.

Sind tausend Jahre Dir ein Tag?
Wie kommts, dab man sich schmaucheln mag,
Auf dieser Flucht noch alt zu werden?
Kaum einer lebt den zehnten Theil!
Die grobte Meng entflieht in Eil
Der Eitelkeit bewohnter Erden.
Kaum hat sie funfzig Jahr erstrebt,
So hat sie vollig ausgelebt.

Dieb Ziel, o Gott, Dem niemand gleicht!
Hat meiner Tage Lauf erreicht,
Hat itzt Dein Knecht begluckt errungen!
Dein Wink hat meine Kraft gestarkt,
Dab Seel und Korper unvermerkt
Ein halb Jahrhundert durchgedrungen;
Bevor, was Geist und Glieder ruhrt,
Der mindsten Schwachung Grad gespurt.

Wie manchen Freund hab ich gekannt,
Der sich bey gleichen Kraften fand;
Und gleichwohl langst vor mir erblichen?
In frischer Jugend, voller Saft,
Verlohr so mancher Geist und Kraft,
Ist mancher schnell der Welt entwichen.
Auch manch Geschwister wird vermibt,
Das mir sehr jung entrissen ist.

Herr! war ichs vor so vielen werth,
Dab meine Kraft sich nicht verzehrt,
Wie Lampen deren Tocht verglimmet.
Hat Deine Vorsicht mich ersehn,
Zu Diensten, die noch nicht geschehn,
Und die Dein Rathschlub schon bestimmet?
Bin ich geschickt dazu erkannt?
Sieh, Herr! ich bin in Deiner Hand.

Du bist der Topfer, ich der Thon;
Du Herr! der Vater; ich der Sohn;
Ich bin das Werkzeug, Du der Meister!
Mach alles, was Du willst, mit mir!
Nur wirf mich nicht erzurnt von Dir,
Du hochstes Gut erschaffner Geister!
Lab meinen Dienst nur nicht gemein,
Nicht schandlich, nicht verwerflich seyn.

Mein Zweck war schon von Kindheit an,
So viel ich mich besinnen kann,
Mit Ernst der Welt und Dir zu dienen.
Du weist, dab meiner jungen Brust,
Die Reizung lasterhafter Lust
Schon als ein subes Gift geschienen:
Was mancher hochst bemuht gesucht,
Davor nahm ich sehr oft die Flucht.

Dein Geist hat mich getreu regiert,
Und mancher Tugend zugefuhrt,
Die sonst der Jugend Trieb verfehlet.
Dem dank ichs, nicht der eignen Kraft,
Dab ich den Weg der Wissenschaft
Auf meines Vaters Wink erwahlet.
Die erste Wohlthat Deiner Hand
Hat mir den Fuhrer zugewandt.

Der lenkte mich von Jugend auf
Von jener Bahn, wo sonst der Lauf
Durch viele Lasterpfutzen leitet:
Wenn junger Herzen Lusternheit
In grober Stadte Wildigkeit
Mehr Boses lernt, als Kunst erbeutet.
Gott! vor Gefahren solcher Art,
Hat mich des Vaters Fleib bewahrt.
Sein treugemeynter Unterricht,
Wies mir der freyen Kunste Licht,
Und was die alten Sprachen nutzen.
Er selber legte so den Grund,
Er selber that mir spielend kund,
Wobey sonst Knaben muhsam schwitzen;
Bis ich im dreymal funften Jahr,
Zu hohern Schulen tuchtig war.

Hier wiesest du mir Gonner an,
Die meines armen Fleibes Bahn
Durch Huld und Wohlthun unterstutzten.
Mein Mangel ward durch Zuschub leicht,
Die Lehrer wurden mir geneigt,
Indem sie meinen Eifer schutzten;
Bis ihre Hand mir noch zuletzt
Den Hut der Lehrer aufgesetzt.

Bisher sah mich mein Preubenland;
Als deine weise Vaterhand
Mich auch durch Trubsal prufen wollte.
Ein Unfall, welcher mich bedroht,
Ward mir ein Ruf, der schnell geboth,
Dab ich die Fremde suchen sollte.
Woselbst mir doch, kaum auf ein Jahr,
Der Unterhalt in Handen war.

Herr! der Du auch die Raben horst,
Und oft der Armen Kad vermehrst,
Auch mir hat nichts gebrechen mussen!
Du reichtest mir so Kleid als Brodt,
In Meiben traf mich keine Noth;
Hier war ich aller Furcht entrissen!
Hier gab der Fleib durch Mund und Hand
Mir fast ein neues Vaterland.

Was sag ich? Nein! Wer sonst, als Du,
Wandt mir der Groben Neigung zu,
Die fur der Musen Wohlfahrt wachen?
Augustus winkt von Seinem Thron:
Bald weist Sein Kronen-werther Sohn
Sich auch geneigt, mein Gluck zu machen;
Sie wiesen mir ein Lehramt an,
Das Muh und Fleib ermuntern kann.

Herr! nahm ich meiner Pflichten wahr,
Wenn Mund und Kiel sich manches Jahr
Bestrebt, die Weisheit recht zu lehren;
So ward mein Eifer sehr gestarkt,
So oft ich dankbar angemerkt,
Dab sich Dein Segen schien zu mehren:
Wenn Adel, Graf und Prinz sogar
Um meinen Horsaal eifrig war.

Der hohen Schulen Purpurtracht
Hast Du mir viermal zugedacht,
Das edle Pleib-Athen zu lenken:
Wenn mir der grobten Manner Wahl,
Der Musen Zepter anbefahl,
Die Pindus-Burger einzuschranken;
Die mir doch oft, bey stiller Nacht,
Der Seytenspiele Dank gebracht.

Wie vieler Groben Huld und Gunst
Hat mir nicht Wissenschaft und Kunst,
Durch Deine Fugung, zugezogen!
Auch Fursten wurden mir geneigt,
Und Habens in der That gezeigt,
Und sind mir itzo noch gewogen.
Des Reiches hochstes Oberhaupt
Hat mir den Zutritt jungst erlaubt.

Was sag ich von der suben Eh,
Darinn ich durch Dein Fugen steh,
O Vater! der Du Herzen bindest!
Du hast die Gattinn mir ersehn,
Die Du in Gram und Wohlergehn
Mir treugesinnt und redlich findest;
So dab ich ihren edlen Sinn
Dir zu verdanken schuldig bin.

Zwar hat es mir, nach Art der Welt,
Die nichts vollkommnes in sich halt,
Auch nicht an Hab und Neid gefehlet.
Doch hab ich gegen manchen Feind,
Die Brust, die sonst nicht fuhllos scheint,
Mit Grobmuth und Geduld umstahlet;
Und was die Lastersucht erdacht,
Durch sanftes Schweigen stumpf gemacht.

Dieb sag ich nicht, als ob ich frey
Von Fehlern, Maal und Narben sey,
Die diesen mehr, als den, beflecken:
Nein Herr! Du kennest Herz und Sinn!
Und weist schon, wo ich schuldig bin:
Was darf ichs Dir noch erst entdecken?
Du weist, dab ichs geduldig trug,
So oft mich deine Ruthe schlug.

Ich kusse deine Vaterhand,
Die ich noch stets geschafftig fand,
Mein unverrucktes Wohl zu bauen.
Der will ich ferner was ich bin,
Mein Gluck und Leben, Leib und Sinn,
Kurz, was nur mein ist, anvertrauen.
Jedoch, o Gott! was ist wohl mein?
Ich, Welt und Himmel sind ja dein.

Kann ich hier noch was Gutes thun,
So lab mich, Hochster! niemals ruhn,
Was Dir gefallt, ins Werk zu setzen!
Doch lauft mein Stundenglas bald aus:
So fuhre mich in jenes Haus,
Wo Du die Deinen wirst ergetzen!
Da will ich mehr, als hier geschehn,
Die Wunder Deiner Weisheit sehn.

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Als der Verfasser sein Funfzigstes Jahr zurucklegte - JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED