Українська та зарубіжна поезія

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Schreiben an seine Leonore

Ach Kind, ach liebstes Kind, was war das fur Vergnugen!
Der Himmel geb’ uns doch dergleichen Nachte viel
Und lass’ uns so vertraut bis an das letzte Ziel
Mit Brust und Geist vermahlt in Eintrachtsbanden liegen;
Denn auber jener Welt und ohne diese Lust
Ist doch wohl der Natur kein grobrer Schatz bewubt.
Wir spielen unverstort mit Redlichkeit und Kussen,
Wir haben gleichen Sinn, wir wunschen einerlei,
Sind Sklaven suber Macht, und niemand lebt so frei;
Wir schwatzen, dab uns auch die Worte mangeln mussen,
Wir schenken uns an uns und nahmen, konnt’ es sein,
Als Seelen wahrer Treu’ nur einen Korper ein.
Uns darf kein Modebrief kein Ehverlobnis stiften,
Kein Kuppler und kein Geld verbindet unsre Glut,
Dein Mahlschatz ist mein Herz, dein Herz mein Heiratsgut
Und unser beider Ruhm die Dichtkunst meiner Schriften,
In welchen Lieb’ und Scherz so lange Lob gewinnt,
Als Kunst und Wissenschaft in Deutschland fruchtbar sind.
Wir haben unsern Bund die Zeit bewahren lassen;
Fur dich ist auf der Welt kein bebrer Mann als ich,
Ich find auch auf der Welt kein treuer Weib als dich,
Wir mubten sonder uns das beste Leben hassen;
Da, wo ich dich nicht seh, da ist mir alles leer,
Und wenn es auch der Schwarm des grobten Hofes war’.
Versuchte mich EugenPrinz Eugen, und bote mir der Kaiser
Fur dich, du frommes Kind, Gold, Thron und Purpur an,
So sprach’ ich, wie ich dir mit Wahrheit schworen kann:
Ich ehre, grober Held, die vielen Siegesreiser,
Ich weib auch, grober Karl, was Macht und Kronen sind –
Behaltet, was ihr habt, und labt mir nur mein Kind!
Gesegnet sei der Tag, gesegnet sei die Kammer,
Der unsern Bund gesehn, die unsern Kub gehort!
Wer jenen durch Verdrub und die mit Fluch entehrt,
Dem mach’ ein boses Weib den Ehstand vollerJammer.
Gesegnet sei auch gar der Kummer und der Neid,
Der wegen deiner Gunst mir manchen Stob verleiht!
O konnt’ ich doch, mein Kind, in allen Sprachen dichten
(So wunsch ich dann und wann wie einst Petrarchens Mund),
So tat ich deinen Wert den meisten Landern kund,
So lieb ich jedes Volk von unsrer Liebe richten;
Die Klugsten wurden sehn, wie zartlich meine Treu’,
Wie redlich meine Brust, wie rein dein Herze sei.
Ich tu, so viel ich kann, dein Denkmal auszubreiten,
Um bei der spaten Welt durch deinen Ruhm zu bluhn;
Wie mancher wird noch Trost aus meinen Liedern ziehn,
Wie manchen wird mein Vers zur suben Regung leiten!
So merk ich, wenn mein Mund der Alten Arbeit liest,
Dab unsre Liebe schon vordem gewesen ist.
Was hat wohl unser Wunsch mehr auf der Welt zu suchen,
Und welches Gluck ist noch wohl unsers Neides wert?
Wenn mir des Himmels Huld dich vollends ganz gewahrt,
So wute Feind und Groll, so mag der Spotter fluchen;
Drei Dinge sind mein Trost: Gott, Wissenschaft und du;
Bei diesen seh ich stets den Sturmen ruhig zu.

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Schreiben an seine Leonore - JOHANN CHRISTIAN GUNTHER