Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Der verlorene Sohn

Mein Mьtterlein, zu dieser Stund’,
Zu dieser Stund’ in tiefer Nacht
Bist du aus leisem, kurzem Schlaf
Wohl jдhlings, jдhlings aufgewacht!
Du fдhrst empor und starrst und horchst;
Und eine bange Ahnung schwirrt
Dir durch die angstumschnьrte Brust:
DaЯ ruhelos dein Kind noch irrt…

Noch irrt auf fernem, fremden Pfad,
Noch irrt in spдter, schwarzer Nacht
Du aber weiЯt nicht seine Spur,
WeiЯt nicht, was es so ruhlos macht…
WeiЯt nur, daЯ es aus dieser Not
Die Mutterliebe einzig risse,
Und mцchtest wohl es suchen gehn
Durch schwarze, schwarze Finsternisse…

Mein Mьtterlein, dein armes Kind,
Es sucht dich nicht in seinen Aengsten,
Es taumelt durch die Nebelnacht,
Geschleift von seines Dдmons Hengsten.
Hei! Wie es brennt in seiner Brust!
Wie schnьrt’s die Kehle ihm zusammen!
O Mutter, deine milde Hand
Beschwor mir nicht die Wahnsinnsflammen.

Mein Mьtterlein, laЯ ab, laЯ ab!
Das du in Schmerzen einst geboren,
Dein Kind, du hast es einmal doch
An diesem Tage ach, verloren!
Es fragt nichts mehr nach deiner Lust
Es fragt nichts mehr nach deinem Kummer,
An seiner Leidenschaft Brust
Erwьrgt es deiner Nдchte Schlummer…

Mein Mьtterlein, wenn’s dich verzehrt,
DaЯ du dein Kind hast lassen mьssen,
Dann ruh dich auf der Bahre aus
Von deines Lebens Kьmmernissen…
Dann schlieЯ die mьden Augen zu,
Die oft um mich in Trдnen lagen
Dann laЯ zur allerletzten Ruh’
Dich heimlich auf den Kirchhof tragen…

Vielleicht bin ich des Wanderns mьd,
Und ist die Unrast all’ verlodert
Vielleicht, daЯ dann mein Schicksal mich
Dort rasten lдЯt, wo du vermodert…
Dann sind wir beide ganz allein,
Und unsre Liebe darf nicht sдumen
Dann will ich meines Lebens Traum
Mit dir noch einmal still durchtrдumen.

Dann will ich alles dir gestehn
Wie Schuld auf Schuld sich lud, dir sagen
Dann will ich mit dir heimwдrts gehn
Zu meines Lebens ersten Tagen…
Mein totes Mьtterlein, dann gibt
Es nichts, was dir verborgen bliebe
Dann weiЯt du, wie ich dich geliebt
Und doch verraten deine Liebe!

Dann weiЯt du, wie es plцtzlich mich
Mit heiЯem Atem angepfiffen
Wie es in meine Seele schlug,
Das Feuer, dampfend, unbegriffen
Wie es versengend mich gepackt,
Mich weggespьlt von deinem Herzen:
Ich schoЯ, ein Glutenkatarakt,
Ins Tal der Wonnen und der Schmerzen.

Mein Leben troff von Duft einmal
Vom Duft der Rosen und Narzissen…
Mein Denken war ein Morgenstrahl,
Entbrochen schwarzen Finsternissen
Ich lebte! O mein Mьtterlein
Und riЯ, umsprьht von Freudenfunken,
Die Sphдren an mein Bruderherz,
Von Weltenmelodien trunken…

An ihrem Leib bin ich zerschellt
Und all mein Denken ist verpestet
So irr’ ich ruhlos durch die Welt,
Ein Narr, verzweiflungsqualgemдstet…
Nicht grьnt mein mьder Wanderstab
Ein zweites Mal zur Sьndensьhne
Kein Gott nimmt meine Reue ab
Und hebt von mir der Schuld Lawine.

Aus weiЯem Kelch den gelben Wein
GoЯ ich ins rote Blut der Wunden
Nur einmal wollt’ ich stille sein,
Nur einmal von der Schmach gesunden!
Die aber preЯt mich fest und lдЯt
Mich nicht aus ihren erznen Krallen
Von Blut und Kot und SchweiЯ genдЯt,
Schleif’ ich durchs Leben, fluchverfallen…

Ja, Mutter, stirb! Und bist du tot,
Dann wollen wir, ein seltsam Pдrchen,
Vom Abend – bis zum Morgenrot
Eins plaudern von dem tollen Mдrchen,
Dem mich das Schicksal auserwдhlt,
Mich brav – recht brav drin auszuleben
Und hab’ ich’s dir dann auserzдhlt,
Hast du auch schweigend mir vergeben…
Dann reck’ ich hoch mein Haupt empor

Und bei des Tages ersten GrьЯen
SchmeiЯ’ ich den eklen Erdenstaub
Von meinen wandermьden FьЯen…
Es fliegt der Filz ins feuchte Gras,
Ich rьste mich zum letzten Traume
Zerbreche meinen Knotenstock
Und hдng’ mich auf am nдchsten Baume…

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Der verlorene Sohn - HERMANN CONRADI