Українська та зарубіжна поезія

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Die Grazien

Als an einem Fruhlingsabende sich die drey Grazien neben einem Walde in acidalischen Quellen belustigten, verlohr sich plotzlich Aglaja, die schonste der Grazien. Wie erschracken die Tochter der Anmuth, als sie Aglajen vermibten! Wie liefen sie durch die Baume und suchten und riefen!

So angstlich bebt auf Cremonesersaiten
Der zartste Silberton.
Aglaja! – rief der Silberton.
Aglaja! – half der Nachhall sanft verbreiten.
Umsonst, Aglaja war entflohn.
“Ach, Pan schlich langst ihr nach! der Frevler hat sie schon!
Ach, Acidalia! blick her von deinem Thron!
Soll sie nach langen Ewigkeiten
Nur itzt nicht langer uns begleiten?
Zwo Grazien sind aller Welt zum Hohn,
Und ach! die dritte hat er schon! -“
So klagten sie. Umsonst! Aglaja war entflohn.

Nun schlichen sie an den Buschen herum, undschlugen leise an die Blatter, und flohen nach jedem Schlage furchtsam zuruck.

Denn stellten sie sich gleich, den Rauber auszuspahen,
So zitterten sie doch fur Furcht, ihn nur zu sehen.

Endlich kamen sie an ein Rosengebusche, das meine Chloe versteckte – und mich. Chloe sab vor mir, ich hinter Chloen.

Itzt bog ich schlau an ihrem Hals mich langsam uber,
Und stahl ihr schnell ein Maulchen ab;
Itzt bog sie unvermerkt den Hals zu mir heruber,
Und jedes nahm den Kub auf halben Weg sich ab,
Den jedes nahm und jedes gab.

In diesem Spiele uberraschten uns die Grazien, und sie lachten laut, da sie uns kussen sahen, und hupften frohlich zu uns herbey. Da ist Aglaja! – riefen sie. Die Schalkhafte! – Du kussest, da wir unruhig herumirren, und dich nicht finden konnen? – Und itzt liefen sie mit meiner Chloe davon.

Was! rief ich, lose Rauberinnen!
Wie sollte sie Aglaja seyn?
Ihr irrt euch sehr, ihr Huldgottinnen!
Fur Grazien ist das nicht fein!
Gebt Chloen mir zuruck! Betrogne, sie ist mein!

Doch die Grazien horten mich nicht, und liefen mit meiner Chloe davon. Zornig wollte ich ihnen nacheilen, als plotzlich Aglaja hinter einer Buche hervortrat, und mir winkte, und freundlich lachelnd also zu mir sprach:

Warum willst du zu Chloen eilen?
Begluckter Sterblicher, Aglaja liebet dich.
Kub itzt einmal statt Chloen mich;
Wunsch nicht dein Madchen zu ereilen:
Ich, eine Gottinn, liebe dich.

Schuchtern sah ich die Huldgottinn an.

Auf ihren Wangen sprach Entzucken,
Und Jugend und Gefuhl aus den verschamten Blicken.

Gefahrliche Reizungen! – Aber mit dreister Hand ergriff ich die Huldgottinn, fuhrte sie zu ihren Schwestern, und sprach: Hier ist Aglaja, ihr Grazien. –

O Chloe, meine Lust, mein Gluck! –
Gebt meine Chloe mir zuruck!
Ist dieb Aglajens Mund und Blick?
Da! nehmt die Huldgottinn zuruck.

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Die Grazien - HEINRICH WILHELM VON GERSTENBERG