Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові







Das Hohelied

Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
Das Gott der Herr geschrieben
Ins grobe Stammbuch der Natur,
Als ihn der Geist getrieben.
Ja, gunstig war die Stunde ihm,
Der Gott war hochbegeistert;
Er hat den sproden, rebellischen Stoff
Ganz kunstlerisch bemeistert.
Furwahr, der Leib des Weibes ist
Das Hohelied der Lieder;
Gar wunderbare Strophen sind
Die schlanken, weiben Glieder.
O welche gottliche Idee
Ist dieser Hals, der blanke,
Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
Der lockige Hauptgedanke!
Der Brustchen Rosenknospen sind
Epigrammatisch gefeilet;
Unsaglich entzuckend ist die Zasur,
Die streng den Busen teilet.
Den plastischen Schopfer offenbart
Der Huften Parallele;
Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
Ist auch eine schone Stelle.
Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
Hat Hand und Fub; es lacht und kubt
Mit schongereimten Lippen.
Hier atmet wahre Poesie!
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne tragt das Lied
Den Stempel der Vollendung.
Lobsingen will ich dir, O Herr,
Und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stumper gegen dich,
Den himmlischen Poeten.
Versenken will ich mich, o Herr,
In deines Liedes Prachten;
Ich widme seinem Studium
Den Tag mitsamt den Nachten.
Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dunn –
Das kommt vom vielen Studieren.

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Das Hohelied - HEINRICH HEINE