Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Am Himmelfahrtstage 1846

Ausgestorben scheint die Stadt,
Weil, was sich des Lebens freut
Und den Bund mit ihm erneut,
Sich hinaus begeben hat
Auf die Hugel, auf die Berge,
Angefullt wird jedes Tal,
Ruhren wird sich Wirt und Ferge
In dem warmen Maienstrahl.

Von dem hochsten Giebel schau’
Ich hinaus, o welch Gewimmel!
Ja, die Erde tragt gen Himmel
Menschenherz und grune Au!
Und wie ferne Kirchenfahnen
Flattert’s von der Burg Gelandern
Bunt von seidnen Lenzgewandern
Unter grunenden Platanen.

Einsam wehen hier die Linden
Dieser Stadt um stille Dacher –
Ach, wie einen leeren Becher
Muss ich die verlassne finden,
Einen Becher, dessen Schein
Wird geflohn von jedem Munde,
Und auf dessen dunkelm Grunde
Ich der letzte Tropfen Wein!

In die kuhle Dammernacht
Meines Hauses steig’ ich nieder,
Wo mir meine jungen Lieder
Schlummern, bis ihr Tag erwacht;
Wo ein Strauss von Fliederzweigen
Druber nickt mit stillem Neigen,
Mit erwartungsvollem Schweigen
Wilde Roschen halten Wacht.

Nun in tiefer Einsamkeit
Schreib’ ich, eh’ fur immer schied
Mir die lange Morgenzeit,
Meiner Jugend letztes Lied;
Und der Hoffnung sei’s geweiht!
Was ich hoffe, hofft die Welt;
Ist sie nur zur Fahrt bereit,
Wird sie selbst ihr Himmelszelt!

Tu’ dich auf, o schoner Schrein,
Lasse deine Schatze funkeln!
Lass sie, blitzend hell, verdunkeln
Der Martyrer blass Gebein! –
Weihrauch sind die Fruhlingsdufte,
Und auch du, mein Schwalbenzug,
Flattre, leichter Liederflug,
Aufwarts in die freien Lufte!

Stille der Nacht

Willkommen, klare Sommernacht,
Die auf betauten Fluren liegt!
Gegrusst mir, goldne Sternenpracht,
Die spielend sich im Weltraum wiegt!

Das Urgebirge um mich her
Ist schweigend, wie mein Nachtgebet;
Weit hinter ihm hor’ ich das Meer
Im Geist und wie die Brandung geht.

Ich hore einen Flotenton,
Den mir die Luft von Westen bringt,
Indes herauf im Osten schon
Des Tages leise Ahnung dringt.

Ich sinne, wo in weiter Welt
Jetzt sterben mag ein Menschenkind –
Und ob vielleicht den Einzug halt
Das viel ersehnte Heldenkind.

Doch wie im dunklen Erdental
Ein unergrundlich Schweigen ruht,
Ich fuhle mich so leicht zumal
Und wie die Welt so still und gut.

Der letzte leise Schmerz und Spott
Verschwindet aus des Herzens Grund;
Es ist, als tat’ der alte Gott
Mir endlich seinen Namen kund.


Am Himmelfahrtstage 1846 - GOTTFRIED KELLER

Am Himmelfahrtstage 1846 - GOTTFRIED KELLER