Українська та зарубіжна поезія

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An die Dunkelheit



Mich drangt’s mit Macht, die Leier zu erfassen,
Dich zu beweinen, arme Dunkelheit;
Es will mein Geist dein trubes Reich umfliegen,
Und aus der Seele schwebt der Fuhrer auf.
Mein dustrer Sinn ist’s, der mit dir verwandt,
Sich selbst in deine Zauberkreise bannt.
So sing’ ich dich denn, melanchol’sche Tochter
Des Lichtes und der alten Finsternis,
Die du den Anblick deiner Eltern fliehest,
Dich scheu verbirgst in Grotten und in Hainen,
Wenn Freude rauscht im leicht bekranzten Saal,
In dustrer Kammer weilst mit herber Qual.

Wohin der Vater oft dir trostend folgt,
Mit sanftem Strahlenblick bedauernd dich
Belauscht und liebreich deine Spur erhellt.
Nur sie, die Finsternis, das stolze Weib,
Die oft das Schonste, was der Tag uns gab,
Gefuhllos tauchte in ihr schwarzes Grab;

Die, von der Ewigkeit gezeugt, die Welt
Gebaren sah und sie verschlingen wird,
Nur sie verfolgt dich, arme Dunkelheit.
Von ihr vertrieben mit dem Speer der Nacht,
Wirst du zum Spiel der heimatlosen Zeit,
Die, treulos stets, Verandrung uns nur beut;

Die ewig altert und doch ewig bluht;
Auch als Erinnrung noch wie Hoffnung grunt,
Und doch sich habt, verdranget und verjagt,
Bis sie verrinnt in der Äonen Strom.
Doch eben weil des Schicksals Grausamkeit
So schuldlos dich zur Ungluckspriestrin weiht,

Liebst du das Heer armsel’ger Bruderschaft,
Die durch des Gluckes Fluch verwandt, nimmst sie
In deine stillen Hallen auf, die oft
Das Elend sucht und vor dem Aug’ der Welt
Verbirgst du mitleidsvoll das wehmutsreiche Los
Des heibbetranten Blicks in deinem dunklen Schob.

So such’ auch ich dich, freudenarmes Kind
Des Strahlengottes, der die Welt entzuckt,
Wenn unter dichtbelaubten Baumen du
Dein sinnend Haupt lehnst an des Waldes Grun;
Und fallt auf mich dein heil’ger Schattenblick
Im frommen Traum, umschwebt mich Friedensgluck.

Wohl denen, die in deinem stillen Tempel
Des goldnen Friedens sanfter Hauch umweht.
Nur Reinheit darf sich hoffnungsvoll dir nahn,
Doch den Verbrecher schreckst du, Dunkelheit,
Und scheuchst ihn fort aus deinem Heiligtum,
Wo still nur thront verkannter Tugend Ruhm.

In Schleiern tief verhullt, den starren Blick
Dem Traumgott zugewandt, begluckst du doch
So mild die Welt, entnervst der Ahndung Kraft,
Wenn ihr prophet’scher Geist die Parze schaut,
Und haltst mit weiser Hand den Nebelschild
Unwissenheit vor grauser Zukunft Bild.

So auch das Gluck, wenn es von fern sich naht
Und leis’ ertonen labt sein klingend’ Spiel,
Um nach und nach als Sieger uns zu gruben,
Umschlingst du es mit dichtgewebtem Flor
Und plotzlich steht’s vor dem erstaunten Blick
Und glanzet doppelt schon, das schnellgeborne Gluck.

Und edel fliehst du, holde Traumerin!
Damit man dein vergibt im wilden Rausch;
Du weibt es schon, der Mensch in seinem Wahn
Ist stets des Undanks ubermutiger Sohn,
Der selbst den Wert des hochsten Glucks nicht ehrt,
Bis ihn die Qual erst des Verlusts belehrt.

Es ist sein alter Brauch im irren Hoffnungswahn,
Dab durch Begierd’ entflammt, er stets die Gunst
Des Glucks nur sieht und undankbar auf den
Vergibt, der sie ihm liebend hat gesandt;
Drum eilst zuruck du in die Einsamkeit,
Die dem Bedauern dieser Welt geweiht.

Und so fliebt still dein krankes Leben hin,
Und dein Geliebter ist der sanfte Abend,
Der, wenn der Tag die Blicke abwarts senkt,
Mit leisem Tritt sucht der Geliebten Spur;
Und weinend dann auf Fluren stiller Au’,
Ans Herz dich druckt – daher der Abendtau.



An die Dunkelheit - FERDINAND RAIMUND
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