Українська та зарубіжна поезія

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Baldur-Christus

Und wieder ward der zeugende Tropfen Bluts aus Baldurs Wundenmalen
Zu roter Blute erlost in der Seele eines Menschen.
Das war, als der sudliche Mittag mit gluhenden Lippen
Verdurstend an den Steppen sog von Palastina.
Heib garte ihr Blut, und von der trocknen Strabe stieg
Ein Feueratem auf
Und wirbelte in braunen Flocken
Um sonnverbrannte, staubstarrende Gesichter,
Als sie ihn zum ersten Male sahen.
Der Sommerwind rib gierig Jubelrufe
Von ihrem Mund und schleifte sie die Gassen lang:
“Hosianna! Hosianna!”
Palmen schwankten und bunte Tucher,
Und ein Leuchten flob
Von ihm in alle Seelen
Und jauchzte durch die Welt. . .

Und es sank der Mittag hin, und das Lied verschwamm
In blauem Dammern, das von den Bergen niederrollte.
Abendgluten rankten sich um Marmorsaulen,
Bluteten auf den weibgebauschten Mantel, zuckten
Um wutverzerrte, bleiche Zuge,
Um geballte Fauste,
Die sich empor warfen zur Terrasse, wo
Er traumend uber ihre Haupter weg
Den Tag ins blaue Meer verklingen sah –
“Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!”
Dumpfes Hammern durch das schwule Zwielicht.
Gluhend starrt die Gier.
Die rostigen Nagel beiben sieh ins Fleisch.
Die Sehnen springen.
Dampfend quillt das Blut.
Ein Wimmern stirbt
Im trunknen Reigen, der von Blut und Gier berauscht
Das Kreuz umrast:
“Hilf dir, Konig der Juden!”

Und der Sturm stohnt auf.
Schreiend verstiebt der Schwarm.
Falbe Blitze stechen nieder,
Rasen durch die Straben der Stadt,
Die wie von schwarzer Asche verschuttet starrt,
Fern verdrohnend. . .
Dann weicher Regen. . .
Atmende Stille. . .
Die Palmen schauern sich
Den Rieseltau von feuchten Blattern.
Ein Windstob reibt die Wolken auseinander. . .
Aus grauen Nebeln weib
Der Mond.
Ein bleiches Leuchten rieselt den schwarzen Stamm hinab,
Der jah sich auf reckt in die Nacht auf Golgatha.
Zittert auf geschlossnen Lidern
Und fahlen Wangen, uber die
Vom Dornkranz, der mit Raubtierpranken
Sich tief ins Fleisch gekrallt,
Ein dunnes Rot hinsickert. . .
Dann wieder Nacht.
Und wieder stohnt der Sturm. . .
Schwer sinkt ein schlaffes Haupt zur Brust herab.


Baldur-Christus - ERNST STADLER