Українська та зарубіжна поезія

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Der Handstand auf der Loreley



(Nach einer wahren Begebenheit)

Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen,
ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen,
wo fruher Schiffer mit verdrehten Halsen,
von blonden Haaren schwarmend, untergingen.

Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen.
Der Rhein ist reguliert und eingedammt.
Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen,
blob weil ein blondes Weib sich dauernd kammt.

Nichtsdestotrotz geschieht auch heutzutage
noch manches, was der Steinzeit ahnlich sieht.
So alt ist keine deutsche Heldensage,
dab sie nicht doch noch Helden nach sich zieht.

Erst neulich machte auf der Loreley
hoch uberm Rhein ein Turner einen Handstand!
Von allen Dampfern tonte Angstgeschrei,
als er kopfuber oben auf der Wand stand.

Er stand, als ob er auf dem Barren stunde.
Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zugen.
Man fragte nicht: Was hatte er fur Grunde?
Er war ein Held. Das durfte wohl genugen.

Er stand, verkehrt, im Abendsonnenscheine.
Da trubte Wehmut seinen Turnerblick.
Er dachte an die Loreley von Heine.
Und sturzte ab. Und brach sich das Genick.

Er starb als Held. Man mub ihn nicht beweinen.
Sein Handstand war vom Schicksal uberstrahlt.
Ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen
ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt!

P. S. Eins ware allerdings noch nachzutragen:
Der Turner hinterlieb uns Frau und Kind.
Hinwiederum, man soll sie nicht beklagen.
Weil im Bezirk der Helden und der Sagen
die Überlebenden nicht wichtig sind.



Der Handstand auf der Loreley - ERICH KASTNER