Українська та зарубіжна поезія

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Waldplage

Im Walde deucht mir alles miteinander schon,
Und nichts Mibliebiges darin, so vielerlei
Er hegen mag; es krieche zwischen Gras und Moos
Am Boden, oder jage reibend durchs Gebusch,
Es singe oder kreische von den Gipfeln hoch,
Und hacke mit dem Schnabel in der Fichte Stamm,
Dab lieblich sie ertonet durch den ganzen Saal.
Ja machte je sich irgendetwas unbequem,
Verdriebt es nicht, zu suchen einen andern Sitz,
Der schoner bald, der allerschonste, dich bedunkt.
Ein einzig Übel aber hat der Wald fur mich,
Ein grausames und unausweichliches beinah.
Sogleich beschreib ich dieses Scheusal, dab ihrs kennt;
Noch kennt ihrs kaum, und merkt es nicht, bis unversehns
Die Hand euch und, noch schrecklicher, die Wange schmerzt.
Geflugelt kommt es, sauselnd, fast unhorbarlich;
Auf Fuben, zweimal dreien, ist es hoch gestellt
(Deswegen ich in Versen es zu schmahen auch
Den klassischen Senarium mit Fug erwahlt);
Und wie es anfliegt, augenblicklich lasset es
Den langen Russel senkrecht in die zarte Haut;
Erschrocken schlagt ihr schnell darnach, jedoch umsonst,
Denn, grazioser Wendung, schon entschwebet es.
Und alsobald, entzundet von dem raschen Gift,
Schwillt euch die Hand zum ungestalten Kissen auf,
Und juckt und spannt und brennet zum Verzweifeln euch
Viel Stunden, ja zuweilen noch den dritten Tag.
So unter meiner Lieblingsfichte sab ich jungst –
Zur Lehne wie gedrechselt fur den Rucken, steigt
Zwiestammig, nah dem Boden, sie als Gabel auf –
Den Dichter lesend, den ich jahrelang vergab:
An Fanny singt er, Cidly und den Zuricher See,
Die fruhen Graber und des Rheines goldnen Wein
(O sein Gestade brutet jenes Greuels auch
Ein groberes Geschlechte noch und schlimmres aus,
Ich kenn es wohl, doch hoflicher dem Gaste wars.) –
Nun aber hatte geigend schon ein kleiner Trupp
Mich ausgewittert, den geruhig Sitzenden;
Mir um die Schlafe tanzet er in Lusternheit.
Ein Stich! der erste! er emport die Galle schon.
Zerstreuten Sinnes immer schiel ich ubers Blatt.
Ein zweiter macht, ein dritter, mich zum Rasenden.
Das holde Zwillings-Nymphenpaar des Fichtenbaums
Vernahm da Worte, die es nicht bei mir gesucht;
Zuletzt geboten sie mir flusternd Mabigung:
Wo nicht, so sollt ich meiden ihren Ruhbezirk.
Beschamt gehorcht ich, sinnend still auf Grausamtat.
Ich hielt geoffnet auf der flachen Hand das Buch,
Das schwebende Geziefer, wie sich eines naht’,
Mit raschem Klapp zu toten. Ha! da kommt schon eins!
“Du fliehst! o bleibe, eile nicht, Gedankenfreund!”
(Dem hohen Mond rief jener Dichter zu dies Wort.)
Patsch! Hab ich dich, Canaille, oder hab ich nicht?
Und hastig – denn schon hatte meine Mordbegier
Zum stillen Wahnsinn sich verirrt, zum kleinlichen –
Begierig blattr’ ich: ja, da liegst du plattgedruckt,
Bevor du stachst, nun aber stichst du nimmermehr,
Du zierlich Langgebeinetes, Jungfrauliches!
– Also, nicht achtend eines schonen Buchs Verderb,
Trieb ich erheitert lange noch die schnode Jagd,
Unglucklich oft, doch ofter glucklichen Erfolgs.
So mag es kommen, dab ein kunftger Leser wohl
Einmal in Klopstocks Oden, nicht ohn einiges
Verwundern, auch etwelcher Schnaken sich erfreut.


Waldplage - EDUARD MOERIKE

Waldplage - EDUARD MOERIKE