Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові

An Hugo Wolf

Erinnerst du dich der Tage:
Hinter dir saben
Conrad, der Hune, und ich.
Du sangst uns
Deine 53,
Drei-und-funf-zig!
Morike-Lieder vor
Und deine ungezahlten Wunderweisen
Aus Goethe und Eichendorff.
Wie war das alles neu!
Zum Erstarren neu!
Vorn im Morike-Heft,
Auf erster Seite,
Hattest du, Bescheidener,
Des Dichters Bild verehrend aufgestellt.
Welcher Tonsetzer tat je so?

Und wahrend du gluhend sangst,
Gingen drauben die Deutschen voruber.
Sie trugen in ihren Taschen
Billette zu “Mamsell Nitouche”.
Und die Schamrote flog mir ins Gesicht
Fur unsre Landsleute,
Dab sie dir nicht horchten;
Dab sie ihren groben, lieben
Dichter Morike nicht kennen.

Wir erhoben uns.
Auf der Strabe
Nahm Conrad, der Hune, dich
Auf seine Athletenschultern,
Und trug dich durch die Menge,
Wie einst der heilige Christoph das Jesulein
Durch das tosende Wildwasser brachte.
Einer Spielzeugtandlerin
Kauft’ ich ein Fahnchen ab.
Und das Fahnchen wuchs schnell
Zur machtigen prunkenden Fahne.
Einem Flotenblaser winkt’ ich,
Der einsam im Kinderkreise blies;
Und er kam und ging mit:
Duidldidum, duidldldum.
Einem Zinkenisten winkt’ ich
Aus einer Gassenmusik;
Und er kam und ging mit:
Tatara ta, tatara ta.
Einem Beckenschlager winkt’ ich,
Der einem Barenzeiger gesellt stand;
Und er kam und ging mit:
Dschingdada, dschingdada.
Die drei machten Bockssprunge, wahrend sie spielten,
Und tanzten wie trunkene Derwische.
Vor dem Zuge schwang ich
Die machtige Prunkfahne hin und her,
Und ich rief:
Platz da, Platz da, Gesindel,
Ein junger Germanenkonig kommt,
Ein Konig der neuen Kunst!
Platz da, Platz da, Gesindel,
Ein Konig kommt!
Und die Deutschen
Griffen entsetzt in ihre Taschen
Und fuhlten nach den Billetten
Zu “Mamsell Nitouche”.
Und sie rannten schleunig
Zu “Mamsell Nitouche”.10. 11. 12. X. 1890.


An Hugo Wolf - DETLEF VON LILIENCRON