Українська та зарубіжна поезія

Вірші на українській мові



Oberon, 9. Gesang 2

22 Zuletzt, nachdem er sich wohl dreymahl sagen lassen
Wie alles sich begab, geht ihm ein schwacher Schein
Von Glauben auf, und labt ihn Hoffnung fassen,
Sie konnten beide doch vielleicht gerettet seyn.
Je mehr er es bedenkt, je minder geht ihm ein,
Dab Oberon auf ewig sie verlassen.
In allem dem, was er fur sie gethan,
War Absicht, wie ihn daucht, und ein geheimer Plan.
23 Bey diesem schwachen Hoffnungsschimmer,
Der wie ein fernes Licht in tiefer Nacht ihm scheint,
Entschliebt er sich, von Fatmen nun sich nimmer
Zu trennen, und, mit ihr durch gleichen Schmerz vereint,
Des Schicksals Aufschlub hier in Tunis abzuwarten.
Durch ihren Vorschub tauscht er Pilgerstab und Kleid
Mit einem Sklavenwamms und einem Grabescheid,
Und dient um Tagelohn im koniglichen Garten.
24 Indessen Fatme und der wackre Scherasmin
Die Blumenfelder, die sie bauen,
Wie ihrer Lieben Grab, mit Thranen oft bethauen;
Sieht Huon, seit sein prufend Schicksal ihn
In jene Einsied’ley voll Anmuth und voll Grauen
Verbannt, nicht ohne Gram den dritten Fruhling bluhn.
Unmoglich kann er noch sein Heldenherz entwohnen,
Ins Weltgetummel sich mit Macht zuruck zu sehnen.
25 Der kleine Huonnet, das schonste Mittelding
Von mutterlichem Reitz und vaterlicher Starke,
Das je am Hals von einer Gottin hing,
Und wahrlich doch zu anderm Tagewerke
Bestimmt, als mit der Axt auf seiner Schulter einst
Ins Holz zu gehn, vermehrt nur seinen Kummer.
Auch dich, o Rezia, in Nachten ohne Schlummer,
Belauscht dein Engel oft, wenn du im Stillen weinst.
26 Tief fuhlt ihr beid’ in dieser Jugendbluthe,
Dab Abgeschiedenheit euch unnaturlich ist,
Fuhlt Kraft zu edlerm Thun in eurer Brust, vermibt
Des Heldensinns, der unbegrenzten Gute
Gleich unbegrenzten Kreis! – Umsonst bemuhn sie sich
Die Thrane, die dem abgewandten Aug’ entschlich,
Dem alten Vater zu verhehlen;
Ihr Lacheln tauscht ihn nicht, er liest in ihren Seelen.
27 Und ob ihm diese Welt gleich nichts mehr ist, doch stellt
Er sich an Ihren Platz, in das was sie verloren,
Was ihnen zugehort, wozu sie sich geboren
Empfinden – fuhlt aus Ihrer Brust, und halt
Die Thrane fur gerecht, die sie vor ihm aus Liebe
Verbergen, tadelt nicht die unfreiwilligen Triebe,
Und frischt sie nur, so lang’ als ihren Lauf
Das Schicksal hemmt, zu stillem Hoffen auf.
28 An einem Abend einst – das Tagwerk war vollbracht,
Und alle drey, (Amande mit dem Knaben
Auf ihrem Schoob) um an der herrlichen Pracht
Des hellgestirnten Himmels sich zu laben,
Sie saben vor der Hutt’ auf einer Rasenbank,
Versenkten sich mit ahnungsvollem Grauen
In dieses Wundermeer, und blickten stillen Dank
Zu ihm, der sie erschuf – gen Himmel aufzuschauen:
29 Da fing der fromme Greis, mit mehr geruhrtem Ton
Als sonst, zu reden an von diesem Erdenleben
Als einem Traum, und vom Hinuberschweben
Ins wahre Seyn. – Es war, als wehe schon
Ein Hauch von Himmelsluft zu ihm heruber,
Und trag’ ihn sanft empor indem er sprach.
Amanda fuhlt’s; die Augen gehn ihr uber,
Ihr ist’s, als sahe sie dem Halbverschwundnen nach.
30 Mir, fuhr er fort, mir reichen sie die Hande
Vom Ufer jenseits schon – Mein Lauf ist bald zu Ende;
Der eurige beginnet kaum, und viel,
Viel Trubsal noch, auch viel der besten Freuden,
(Oft sind’s nur Starkungen auf neue grobre Leiden)
Erwarten euch, indeb ihr unvermerkt dem Ziel
Euch nahert. Beides geht voruber,
Und wird zum Traum, und nichts begleitet uns hinuber;
31 Nichts als der gute Schatz, den ihr in euer Herz
Gesammelt, Wahrheit, Lieb’ und innerlicher Frieden,
Und die Erinnerung, dab weder Lust noch Schmerz
Euch je vom treuen Hang an eure Pflicht geschieden.
So sprach er vieles noch; und als sie endlich sich
Zur Ruh begaben, druckt’ er, wie sie dunkte,
Sie warmer an sein Herz, und eine Thrane blinkte
In seinem Aug’, indem er schnell von ihnen wich.
32 In eben dieser Nacht, von dunkeln Vorgefuhlen
Der Zukunft aufgeschreckt, erhob Titania
Die Augen himmelwarts – und alle Rosen fielen
Von ihren Wangen ab, indem sie stand, und sah
Und las. Sie rief den lieblichen Gespielen,
Mit ihr zu sehen, was in diesem Nu geschah,
Und wie zu ungluckschwangern Zugen
Amandens Sterne schon sich an einander fugen.
33 Und, dicht in Schatten eingeschleiert, fliegt
Sie schnell dem Lager zu, wo zwischen Mandelbaumen
(Der Knabe neben ihr) die Konigstochter liegt,
Aus ihrem Schlaf von ahnungsvollen Traumen
Oft aufgestort. Titania beruhrt
Die Brust der Schlaferin (damit die Unruh schweige
Die in ihr klopft) mit ihrem Rosenzweige,
Und raubt den Knaben weg, der nichts davon verspurt.
34 Sie kommt zuruck mit ihrem schonen Raube,
Und spricht zu ihren Grazien: Ihr seht
Das grausame Gestirn, das ob Amanden steht!
Eilt, rettet dieses Kind in meine schonste Laube,
Und pfleget sein, als war’s mein eigner Sohn.
Drauf zog sie aus dem Kranz um ihre Stirne
Drey Rosenknospen aus, gab jeder holden Dirne
Ein Knospchen hin, und sprach: Hinweg, es dammert schon!
35 Thut wie ich euch gesagt, und alle Tag’ und Stunden
Schaut eure Rosen an; und wenn ihr alle drey
Zu Lilien werden seht, so merket dran, ich sey
Mit Oberon versohnt und wieder neu verbunden.
Dann eilet mit Amandens Sohn herbey,
Denn mit der meinen ist auch ihre Noth verschwunden.
Die Nymfen neigten sich und flohn
In einem Wolkchen schnell hinweg mit Huons Sohn.
36 Kaum war der Morgen aufgegangen,
So sucht mit bebendem unruhigem Verlangen
Amanda ihren Freund, der seine Lagerstatt,
Fern von Alfons und ihr, in einem Felsen hat.
So hastig eilt sie fort, dab sie (was nie geschehen
Seitdem sie Mutter war) vor lauter Eil’ vergibt,
Nach ihrem Sohn, der noch ihr Schlafgeselle ist,
Und ruhig (glaubt sie) schlaft, vorher sich umzusehen.
37 Sie findet ihren Mann, im Garten irrend, auf,
Und beide nehmen auf der Stelle,
Was sie besorgen sich verbergend, nach der Zelle
Des alten Vaters ihren Lauf.
Wie klopft ihr Herz, indem sie seinem Lager
Sich langsam nahn! Er liegt, die Hande auf sein Herz
Gefaltet, athemlos, sein Antlitz bleich und hager,
Doch edel jeder Zug, und rein, und ohne Schmerz.
38 Er schlummert nur, spricht Rezia, und legt
Die Hand, so leicht dab sie ihn kaum beruhret,
Auf seine Hand – und, da sie kalt sie spuret
Und keine Ader mehr sich regt,
Sinkt sie in stiller Wehmuth auf den blassen
Erstarrten Leichnam hin; ein Strom von Thranen bricht
Aus ihrem Aug’ und badet sein Gesicht:
O Vater, ruft sie aus, so hast du uns verlassen!
39 Sie rafft sich auf, und sinkt an Huons Brust,
Und beide werfen nun sich bey der kalten Hulle
Der reinsten Seele hin, in ehrfurchtsvoller Stille,
Und sattigen die schmerzlich sube Lust
Zu weinen, – drucken oft, um endlich wegzugehen,
Auf seine Hand der Liebe letzten Zoll,
Und bleiben immer, nie gefehlter Regung voll,
Bey dem geliebten Bild, als wie bezaubert, stehen.
40 Es war als sahen sie auf seinem Angesicht
Die Dammerung von einem neuen Leben,
Und wie von reinem Himmelslicht
Den Widerschein um seine Stirne weben,
Der schon zum geist’gen Leib den Erdenstoff verfeint,
Und um den stillen Mund, der eben
Vom letzten Segen noch sich sanft zu schlieben scheint,
Ein unvergangliches kaum sichtbar’s Lacheln schweben.
41 Ist dir’s nicht auch (ruft Huon, wie entzuckt,
Amanden zu, indem er aufwarts blickt)
Als fall’ aus jener Welt ein Strahl in deine Seele?
So fuhlt’ ich nie der menschlichen Natur
Erhabenheit! noch nie dieb Erdenleben nur
Als einen Weg durch eine dunkle Hohle
Ins Reich des Lichts! nie eine solche Starke
In meiner Brust zu jedem guten Werke!
42 Zu jedem Opfer, jedem Streit
Nie diese Kraft, nie diese Munterkeit
Durch alle Prufungen mich mannlich durchzukampfen!
Lab seyn, Geliebte, dab der Trubsal viel
Noch auf uns harrt – sie nahert uns dem Ziel!
Nichts soll uns muthlos sehn, nichts diesen Glauben dampfen!
So spricht er, sich mit ihr von diesem heiligen Ort
Entfernend – und ihn nimmt das Schicksal gleich beym Wort.


Oberon, 9. Gesang 2 - CHRISTOPH MARTIN WIELAND

Oberon, 9. Gesang 2 - CHRISTOPH MARTIN WIELAND