Українська та зарубіжна поезія

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Die Wollust – Die Tugend



Die Tugend pflastert uns die rechte Freudenbahn /
Sie kan den Nesselstrauch zu Lilgenblattern machen /
Sie lehrt uns auf dem Eis und in dem Feuer lachen /
Sie zeiget wie man auch in Banden herrschen kan /
Sie heisset unsern Geist im Sturme ruhig stehen /
Und wenn die Erde weicht / uns im Gewichte gehen.2.Es giebt uns die Natur Gesundheit / Krafft und Muth /
Doch wo die Tugend nicht wil unser Ruder fuhren /
Da wird man Klippen / Sand und endlich Schifbruch spuren /
Die Tugend bleibet doch der Menschen hochstes Gutt /
Wer ohne Tugend sich zu leben hat vermessen /
Ist einem Schiffer gleich / so den Compab vergessen.3.Gesetze mussen ja der Menschen Richtschnur seyn /
Wer diesen Pharus ihm nicht zeitlich wil erwehlen /
Der wird / wie klug er ist / des Hafens leicht verfehlen;
Und lauffet in den Schlund von vielen Jammer ein /
Wem Lust und Uppigkeit ist Fuhrerin gewesen /
Der hat vor Leitstern ihm ein Irrlicht auserlesen.4.Dib / was man Wollust heist / verfuhrt und liebt uns nicht /
Die Kusse so sie giebt / die triffen von Verderben /
Sie last uns durch den Strang der zartsten Seide sterben /
Man fuhlet wie Zibeth das matte Hertze bricht /
Vergifter Hypocras wil uns die Lippen ruhren /
Und ein ambrirte Lust zu Schimpf und Grabe fuhren.5.Die Tugend druckt uns doch als Mutter an die Brust /
Ihr Gold und Edler Schmuck halt Farb und auch Gewichte /
Es leitet ihre Hand uns zu dem grossen Lichte;
Wo sich die Ewigkeit vermahlet mit der Lust.
Sie reicht uns eine Kost / so nach dem Himmel schmecket /
Und giebt uns einen Rock / den nicht die Welt beflecket.6.Die Wollust aber ist / als wie ein Unschlichtlicht /
So helle Flammen giebt / doch mit Gestanck vergehet /
Wer bey dem Epicur / und seinem Hauffen stehet /
Der lernt wie diese Waar / als dunnes Glas zerbricht /
Es kan die Drachenmilch uns nicht Artzney gewehren /
Noch gelbes Schlangengift in Labsal sich verkehren.



Die Wollust – Die Tugend - CHRISTIAN HOFFMANN VON HOFFMANNSWALDAU